100 BESTE PLAKATE 16. Deutschland Österreich Schweiz

17.10.2017

Zeitgenössisches Plakatdesign hat deutlich mehr zu bieten, als Inhalte publikumswirksam
für öffentliche Werbeflächen zu illustrieren. Wie avanciert konsumentenorientierte
Gestaltung aussehen kann und wie viel Spielraum für subtilen Humor und
versteckte Kritik grafische Umsetzungen am Plakat bieten, stellt 100 BESTE PLAKATE
16. Deutschland Österreich Schweiz auch 2017 unter Beweis. Mit der Ausstellung
des beliebten Grafikdesignwettbewerbs, der heuer mit 2 116 Plakaten von 632 EinreicherInnen
einen Beteiligungs-Rekord verzeichnet, liefert das MAK wieder einen
Querschnitt der aktuellen Trends und Codes des Grafikdesigns.
Hundert heterogene Sujets und EinreicherInnen - vom studentischen Projekt bis zur
Auftragsarbeit etablierter GrafikdesignerInnen und Agenturen - stehen sich als
gleichwertige Gewinner gegenüber. Die von einer international renommierten Fachjury
prämierten Plakate und Plakatserien gehen auch heuer als Neuzugänge in die
MAK-Sammlung ein.
Nach Ländern gliedern sich die Gewinner in 52 Projekte aus der Schweiz, 46 aus
Deutschland und - trotz abermaliger Steigerung der EinreicherInnen - nur zwei aus
Österreich. Ihre Wahl hat die diesjährige fünfköpfige Fachjury - bestehend aus dem
Vorsitzenden Alain Le Quernec (Quimper, Frankreich), Eva Dranaz (Wien), Markus
Dreßen (Leipzig), Stefan Guzy (Berlin) und Martin Woodtli (Zürich) Ende Februar in
Berlin getroffen.
Juryvorsitzender Alain Le Quernec resümiert: "Die Talente, die eine neue Ästhetik
durchsetzen, indem sie Jahr um Jahr wieder ausgewählt werden, entwickeln sich

ihrerseits zu Vertretern einer neuen Form der Klassik. Neue Trends kennen keine Grenzen, jede Generation schuldet es sich selbst, die Normen der Vorgängergenerati-on zu sprengen, neue Codes zu erfinden, sich mit dem Bruch zu identifizieren - selbst wenn diese Revolutionen mit Abstand betrachtet letztlich nur Entwicklungen sind."
Die Palette der hundert prämierten Projekte reicht von vorrangiger Produktwerbung bis zur Affiche mit pointiertem Witz oder politischem Hintergrund. Teils überraschen unkonventionelle grafische Lösungsansätze mit ihrer Interpretation klassischer Su-jets. Bildflächen werden zu Crossovers, in denen historische Bildwelten zitiert, neu interpretiert und somit erlebbar gemacht werden. Neben der großen stilistischen Vielfalt, die die Ausstellung auch dieses Jahr wieder charakterisiert, sind heuer einige GewinnerInnen zu verzeichnen, die mit ihren hochqualitativen Einreichungen an Erfolge der Vorjahre anknüpfen konnten.
Unter den beiden Siegerprojekten aus Österreich findet sich ein im Wettbewerb schon bekanntes Gesicht: bereits zum dritten Mal konnte Benjamin Buchegger vom Atelier Beton (Wien, Salzburg, Leipzig) die Fachjury überzeugen. Buchegger, der an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig studiert, hat für sein Plakat Mai Frische - getreu dem titelgebenden Motto - eine erfrischend bunte Farbgestaltung gewählt. Die dabei verwendeten kontrastierenden Farben der Typografie - Gelb, Blau und Rot - überschneiden sich und verlaufen ineinander. Ein alternatives Motto für dieses Plakat könnte daher auch "Vorsicht, frisch gestrichen!" lauten. Das Linzer Studio OrtnerSchinko hat mit seinen Plakaten für den Kulturverein Stadtwerkstatt eine Serie von zwei Konzertankündigungen für The Future Sound geschaffen. Die beiden in Schwarz und Weiß gehaltenen Plakate erinnern in ihrer Aufmachung an die Covergestaltung von Magazinen. Der Name des Top Acts des Abends wird durch Silbentrennung beziehungsweise Silbenvertauschung typogra-fisch so gesetzt, dass der Schriftzug gegen unsere Lesegewohnheit erscheint.
Beinahe zu einer Tradition geworden sind die in den letzten Jahren mehrmals prämierten Plakate der - laut Eigendefinition - "hochkreativen Denkzellen" Rocket & Wink für die Getränkemarke fritz-kola. Der cartoonhafte Witz ihrer Plakate ist irritierend, aber dennoch allgemein verständlich. Ihr in kindlicher Manier gesetzter Duktus ist mit subtilem Humor durchsetzt, Produkt und Zielgruppe finden sich in harmonischem Einklang.
Dass ein politisch motiviertes Plakat kaum Gestaltungsmittel benötigt, stellt das Pla-kat Brexit von Vinzent Britz unter Beweis. Er stellt die Farbe Blau, die an die EU-Flagge erinnert, aus der britischen Flagge einfach frei und gibt somit ein eindeutiges politisch motiviertes Statement ab, das leicht dechiffriert werden kann.
100 BESTE

Im Rahmen einer Ausstellungstournee wird die Schau an insgesamt sieben Orten in Deutschland, Österreich und der Schweiz gezeigt. Die Stationen sind auf der Home-page des Vereins Beste Plakate e. V. www.100-beste-plakate.de ersichtlich. Dort fin-det sich auch ein detaillierter Überblick über alle SiegerInnen aus den Jahren 2001 bis 2016.
Zur Ausstellung erscheint der Katalog 100 Beste Plakate 16. Deutschland Österreich Schweiz/100 Best Posters 16. Germany Austria Switzerland, Verlag Kettler, Dort-mund 2017. Erhältlich im MAK Design Shop um € 30,80. Für das Corporate Design des Katalogs, der Web-Visuals und der Drucksorten zeichnet Yuan Wang (Offenbach am Main) verantwortlich.
Eine Kooperation des MAK und des Vereins 100 Beste Plakate e. V.