Bildungscampus in der Attemsgasse offiziell eröffnet

26.09.2017

Bürgermeister Michael Häupl, Bildungsministerin Sonja Hammerschmid, Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky, Stadtschulratspräsident Heinrich Himmer und Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy mit dem Team des Bildungscampus.

Benennung nach Widerstandskämpfer Friedrich Fexer

In der Attemsgasse in Wien-Donaustadt ist Wiens sechster Bildungscampus entstanden, heute wurde er unter anderem von Bürgermeister Michael Häupl, Bildungsministerin Sonja Hammerschmid und Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky offiziell eröffnet.

In nur zwei Jahren Bauzeit wurden hier eine 17-klassige Ganztagsvolksschule und ein 12-gruppiger Kindergarten unter einem Dach errichtet, das künftig insgesamt 800 Schul- und Kindergartenkinder beherbergen wird. Das Besondere an diesem Projekt: Er ist ein sogenannter "Campus plus", eine Weiterentwicklung des bisherigen Campus-Modells.
"Wir haben mit jedem neuen Bildungscampus einen weiteren Entwicklungsschritt in Richtung 'gemeinsames Lernen' gemacht - der Campus plus in der Attemsgasse verwirklicht diese Idee nun auch architektonisch auf völlig neue Weise", freut sich Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky. "Konkret heißt das, dass hier jeweils vier Schulklassen und zwei Kindergartengruppen auf einer Ebene räumlich zusammengefasst sind. Kinder unterschiedlichen Alters können hier miteinander lernen, spielen, an Projekten arbeiten und den Tag verbringen!"

Am neuen Campus sind vier solcher sogenannten "Bildungsbereiche" mit jeweils für bis zu 175 Kinder, jeweils in den Obergeschoßen, untergebracht. Ein Bildungsbereich setzt sich aus zwei Kindergartengruppen, vier Volksschulklassen und einer Sondergruppe/-klasse (Vorschule, heilpädagogischen Gruppe oder basalen Klasse) zusammen.

"Wien ist eine Stadt, in der jeder alles lernen kann und damit ein Leben voller Chancen vor sich hat. Mit dem neuen Standort Attemsgasse verfügt Wien über eine weitere Einrichtung, die für Chancengleichheit und modernste Pädagogik auf Weltklasseniveau steht", freute sich auch Bürgermeister Häupl über die Inbetriebnahme des neuen Bildungscampus.

Bildungsministerin Sonja Hammerschmid ist vom pädagogischen Ansatz, Kindergarten und Volksschule gemeinsam unter einem Dach zu gestalten, überzeugt: "Ein gelungener Übergang vom Kindergarten in die Volksschule ist entscheidend für einen guten Start in die Bildungskarriere. Deshalb müssen wir den Austausch zwischen Kindergarten und Volksschule intensiver gestalten. Im Campus plus kann das perfekt gelingen. Die Pädagoginnen und Pädagogen können sich jederzeit mit den Lehrerinnen und Lehrern austauschen, die Kindergartenkinder bekommen bei den älteren Kameradinnen und Kameraden bereits einen Einblick in den Schulalltag."

"Gute Ausbildung ist ein Garant für Arbeit und eine funktionierende Wirtschaft. Gemeinsam mit der Stadt Wien sorgen wir dafür, dass unsere Kinder von Beginn an die beste Ausbildung mit auf den Weg bekommen. Mit über 11 Millionen Euro des Gesamtbudgets unterstreicht der Bezirk diese elementare Rolle der Bildung", so Donaustadt Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy.

Großzügige Freiflächen und flexible Räume

Für den neuen Bildungscampus wurde ein EU-weiter Architekturwettbewerb durchgeführt, aus dem das Wiener Büro Querkraft Architekten als Sieger hervorging. Das Gebäude wurde als PPP-Modell von der Gesiba realisiert und bildet einen klaren, städtebaulichen Abschluss zur Attemsgasse. Mit der Nord-Süd-Ausrichtung des Gebäudes sind im Osten ein großzügiger, geschützter Freiraum und ein Sportbereich entstanden. Der Turnsaal befindet sich im Garten und ist zur Hälfte versenkt. Er ist unterirdisch mit dem Hauptgebäude verbunden. Die großzügigen Freiflächen im Osten sind über Außentreppen von den Klassen- und Kindergartenräumen auf kurzem Weg erreichbar.

"Das Verhältnis von Schule zu Raum und Architektur zu Pädagogik ist vielschichtig. Beide bedingen einander, beide wirken aufeinander ein und schaffen hierdurch eine neue Qualität von Raum: Lernraum und Lebensraum. In geradezu idealtypischer Form ist das beim 'Campus plus' in der Attemsgasse sichtbar. Herausragend, was die Stadt Wien hier geschaffen hat", stellte Wiens Amtsführender Stadtschulratspräsident Heinrich Himmer fest.

Außerhalb der Bildungsbereiche in den Obergeschoßen sind im Erdgeschoß drei Kleinkindergruppenräume, ein Therapiebereich und zwei Förderklassen vorgesehen. Sie sind direkt zum Garten orientiert. Auch eine Expositur der Musikschule Donaustadt wird am Bildungscampus untergebracht.

Wesentlicher Bestandteil des Projektes ist auch eine flexible Raumnutzung: In jedem einzelnen Bildungsbereich können mit geringem Aufwand individuelle Räume eingerichtet werden und für einen bestimmten Zeitraum an die pädagogischen Erfordernisse angepasst werden. Das wird durch ein Raumgerüstes mit Füllungen ermöglicht.

"Es ist gerade in der heutigen Zeit unbedingt erforderlich, flexible Bildungseinrichtungen im Nahbereich zu schaffen, die Kindern den ganzen Tag über Freiraum und gleichzeitig Lernen ermöglichen", betont Gesiba-Generaldirektor Ewald Kirschner. "Die neuen Bildungscampus-Modelle sind integrierte Schule, Kindergarten, Freizeitanlage mit Sportmöglichkeiten und Learncenter mit modernster technischer Ausrüstung. Wir sind stolz darauf, dass wir hier unseren Beitrag leisten durften und bedanken uns für das Vertrauen, das uns die Stadt Wien entgegen gebracht hat!"

Topmoderne Ausstattung

Natürlich wurde auch bei der Raumgestaltung Wert auf eine topmoderne Ausstattung gelegt. Die klassische Tafel ist hier Campus von modernstem High-Tech abgelöst: 19 interaktive Smartboards ermöglichen eine neue Art der Informationsvermittlung.

Bei den Sitzmöbeln im Innen- und Außenbereich wurde der Fokus auch auf die Erholungs- und Freizeitphasen gerichtet. Beeindruckend auch die Anzahl: Insgesamt stehen den Kindern mehr als 300 Tische und 500 Sessel zur Verfügung.

Benennung nach Widerstandskämpfer Friedrich Fexer

"Benannt wird der Campus nach Friedrich Fexer, einem Gymnasiasten aus Wien Landstraße, der gegen die Nazis Widerstand leistete. Es ist eine der vielen bislang zu wenig bekannten Schicksalsberichte aus dem Österreichischen Widerstand und soll der kommenden Generation als Vorbild für Zivilcourage in Erinnerung bleiben und zeigen, dass das Eintreten für humanitäre Werte Bestand hat", so Donaustadts Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy.

Friedrich Fexer, der nach dem Krieg den Verband Sozialistischer Studenten Österreichs mitbegründete, leistete als Schüler des Gymnasiums Kundmanngasse im 3. Wiener Gemeindebezirk Widerstand. Fexer war, neben Josef Landgraf, Ludwig Igalffy und Anton Brunner Teil einer Vierergruppe, die im Sommer 1941 durch Flugblätter und Klebezettel Kritik am nationalsozialistischen Regime übte. Die Materialien der Gruppe riefen mit der Aufschrift "Komm zur V-Armee - besiegt Hitler!" zur Unterstützung von Churchill´s "Victory-Army" auf. Er wurde, nachdem er Flugzettel verteilt hatte, von einem Mitschüler denunziert und verhaftet. Während in Deutschland die Geschwister Scholl Teil der deutschen Identität wurden, ist die Vierergruppe aus Wien immer noch wenig bekannt. Die Briefe, die Fexer damals aus dem Gefängnis seiner Familie schrieb, sind zentraler Bestandteil eines Buchs von Manfred Pawlik.

14 Campus-Standorte bis 2023 fertig

Wien hat insgesamt nun sechs Bildungscampus-Standorte (Monte Laa in Favoriten, Gertrude Fröhlich-Sandner in der Leopoldstadt, Donaufeld in Floridsdorf, Sonnwendviertel in Favoriten sowie den Campus Seestadt und Campus Plus Attemsgasse in der Donaustadt), fünf weitere sind derzeit in Bau bzw. Planung (Berresgasse, Nordbahnhof, Aron Meczer, Aspern Nord und Atzgersdorf).

Darüber hinaus sind weitere drei neue Bildungsbauten in den Gebieten Inner-Favoriten (Landgutgasse), Gasometerumfeld in Wien-Simmering (Rappachgasse) und West Wien (Deutschordenstraße) vorgesehen. Alle diese Projekte sollen bis zum Jahr 2023 realisiert werden.