Das Jüdische Museum Wien, Direktorin Danielle Spera und ihr Team trauern um Ari Rath.

13.01.2017

Ari Rath war unserem Haus zutiefst verbunden und hat an hier an vielen Veranstaltungen mitgewirkt. Ein Interview über seine Jugend in Wien, seine Flucht vor den Nazis nach Palästina und der politischen Verantwortung Österreichs ist Teil unserer Dauerausstellung. Die Persönlichkeit Ari Raths, sein Wissen und sein Charme beeindruckten alle, die ihn kannten.

Ari Rath wurde am 6. Jänner 1925 in Wien geboren. "Wir waren eine typische moderne jüdische Familie der dreißiger Jahre in Mitteleuropa. Mein Vater hatte sich bereits vollständig an die westeuropäischen Werte und Gebräuche angepasst, obwohl er ursprünglich aus einer angesehenen Rabbinerfamilie stammte", schreibt er in seiner Autobiographie "Ari heißt Löwe", die 2012 erschien. Nach dem frühen, tragischen Tod seiner Mutter kümmerte sich die aus Stryj in Galizien stammende Omama Frimtsche um Ari und seinen älteren Bruder Max. Sie war es auch, die den Kindern die religiösen Traditionen vermittelte: "Freitagabend zündete sie die Schabbatkerzen an. Unser Vater sprach mehrmals den Segensspruch über den Wein und das geflochtene Weißbrot, die 'Challes'. Es gab natürlich auch "Gefilte Fisch" als Vorspeise und Hühnersuppe mit Nudeln", erinnert sich Ari Rath. Zu seiner Bar Mitzwa Feier nach Vollendung des 13. Lebensjahres, ab der ein Knabe als vollwertiges Mitglied in die religiöse Gemeinschaft aufgenommen wird und auch alle religiösen Rechte und Pflichten erfüllen muss, schenkte ihm seine Großmutter ein mit viel Liebe genähtes und besticktes Tefillin-Sackerl, samt Gebetsriemen (Tefillin) und Gebetsmantel.

Auf das Tefillin-Sackerl stickte Großmama Frimtsche die hebräischen Initialen für Ari Rath sowie das Datum seiner Bar Mitzwa den 10 Tewet 698 nach jüdischer Zeitrechnung (14. Dezember 1937). Die Feier war wohl das letzte fröhliche Ereignis, das die Familie Rath gemeinsam in Wien feierte. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde sie in alle Richtungen zerstreut. Ari und sein Bruder Max konnten mit Hilfe der Jugend-Alijah nach Palästina auswandern, sein Vater und dessen zweite Frau Rita emigrierten in die USA. Großmutter Frimtsche, die polnische Staatsbürgerin war, wurde aus Wien verwiesen und kehrte in ihren nach dem Hitler Stalin Pakt sowjetisch besetzten Geburtsort Stryj zurück, wo sie im Juni 1940 starb.

Ari Rath, der selbst nicht sehr religiös war, hat dieses kostbare Erinnerungsstück an seine Jugend im Dezember 2012 dem Jüdischen Museum geschenkt. Wir sind dankbar, dass Ari uns nicht nur dieses wesentliche Objekt geschenkt hat, sondern auch so viele wichtige Augenblicke. Zuletzt hat er uns anlässlich einer ORF-III Präsentation über die Kindertransporte besucht und mit unseren Gästen die Geschichte seiner Jugend geteilt, ein ganz besonderer Moment. Mit Ari Rath verliert die österreichische Gesellschaft einen wichtigen Zeitzeugen, ich verliere einen langjährigen lieben Freund. Wir werden ihn sehr vermissen.