Egon Schiele in der Wiener Albertina

17.01.2017

Sie sind provokant und melancholisch, höchst subjektiv und zugleich allegorisch: die Meisterwerke Egon Schieles. Zum Auftakt des Gedenkens an seinen 100. Todestag widmet die Wiener Albertina dem Künstler ab 22.2.2017 eine umfassende Ausstellung.

Egon Schiele (1890-1918) zählt neben Gustav Klimt und Oskar Kokoschka zu den Bahnbrechern der Moderne in Österreich. Zum Auftakt des Gedenkens an den jung verstorbenen Künstler zeigt die Albertina eine groß angelegte Präsentation aus ihrem eigenen umfangreichen Schiele-Bestand. Die Schau gibt einen einmaligen Überblick über Schieles Entwicklung als Zeichner und Aquarellist und führt in ein künstlerisches Werk ein, das sein großes Thema in der existenziellen Einsamkeit des Menschen fand.

Unmittelbar nach seinem Studium an der Akademie wandte sich der junge Schiele zunächst dem Jugendstil zu, wobei er vor allem in Gustav Klimt sein Vorbild fand. Im Gegensatz zu Klimt, dessen Zeichnungen als Ideen, Entwürfe oder Skizzen für seine Gemälde dienten, betrachtete Egon Schiele seine Arbeiten auf Papier bald als eigenständige, autonome Kunstwerke. Mit sicherer, kräftiger Linienführung umschreibt er seinen Bildgegenstand, der meist der menschliche Körper ist. Er charakterisiert ihn durch treffsichere Konturierung, verfremdet ihn aber auch durch gewagte Perspektiven, überspitzte Gestik und Mimik und durch dessen Fragmentierung.

In den Jahren nach 1910 wandelte der ungemein produktive Künstler seinen Stil und seine Ausdrucksmittel in rascher Folge. Gesichtsausdruck und Gestik wurden gezügelt und zunehmend verfolgte Schiele die Tendenz zur Schematisierung seiner Figuren. Die restlichen Jahre seiner kurzen Karriere bestimmte der Krieg und die pessimistische Erkenntnis der völligen Verlassenheit des Menschen. Die Kluft zwischen Männern und Frauen schien für Schiele unüberbrückbar und ging allmählich in die Allegorie einer Begegnung zwischen Leben und Tod über.

Trotz seiner kurzen Lebensspanne und einer kaum mehr als zehn Jahre währenden Phase künstlerischen Schaffens hinterließ Egon Schiele ein erstaunlich umfangreiches OEuvre. Es umfasst, seine Skizzenbücher nicht mitgerechnet, über 2500 Arbeiten auf Papier und über 330 Gemälde auf Holz oder Leinwand. Die Albertina besitzt eine der weltweit größten Sammlungen von Werken Schieles, die 160 Arbeiten auf Papier sowie 13 Skizzenbüchern und darüber hinaus viele wertvolle Dokumente und Erinnerungen an sein Leben umfasst.

  • Egon Schiele, 22.2.-18.6.2017, Albertina, Albertinaplatz 1, 1010 Wien, www.albertina.at