Eine 92-Jährige tanzt die Shoah: Volkstheater zeigt „Strandflieder oder Die Euphorie des Seins“

10.10.2017

Gastspiel aus Budapest anlässlich des Gedenktages zu den Novemberpogromen 1938 in Kooperation mit dem Österreichischen Parlament und dem Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien

Eine Auschwitz-Überlebende tanzt mit einer jungen Frau die Shoah. Éva Fahidi war 90 Jahre alt, als sie sich 2015 auf Anregung der Budapester Kompanie-Chefin Réka Szabó darauf einließ, das Trauma ihres Lebens tänzerisch umzusetzen. Mit der sechzig Jahre jüngeren Tänzerin Emese Cuhorka begibt sie sich in einen Dialog, in dem Éva Fahidi Fragen beantwortet und stellt, von sich erzählt, aber eben auch tanzt. Mal lässt sie sich herumwirbeln, mal durchstreift sie selbst den Raum, mit der Freiheit und Euphorie eines Mädchens, das in ihrer Kindheitsstadt Debrecen den Duft des lila Strandflieders schmeckt, der in der ostungarischen Landschaft überall wuchert. Das war bevor Éva Fahidi mit ihrer Mutter und ihrer Schwester nach Auschwitz-Birkenau deportiert wurde, wo sie als einziges Familienmitglied überlebte. Das überwältigende Stück mit dem Titel "Strandflieder oder Die Euphorie des Seins" ("Sóvirág a létezés eufóriája") spielen Éva Fahidi und Emese Cuhorka seit bald zwei Jahren ausverkauft am Budapester Vígszínház Theater sowie auf Gastspielen. Nun ist es zum ersten Mal in Österreich zu sehen. Im Rahmen der regelmäßigen Kooperation mit dem österreichischen Parlament zum Gedenken an die Novemberpogrome 1938 treten die ungleichen ungarischen Tänzerinnen am Tag des Erinnerns im Volkstheater auf. Bei einer Matinee am darauffolgenden Sonntag in Zusammenarbeit mit dem Wiener Wiesenthal Institut werden die Themen unter Teilnahme von Éva Fahidi und Réka Szabó weiter erläutert.
Österreich-Premiere Strandflieder oder Die Euphorie des Seins Regie Réka Szabó Mit Éva Fahidi und Emese Cuhorka Gemeinsame Veranstaltung mit dem österreichischen Parlament unter dem Ehrenschutz der Präsidentin des Nationalrats Doris Bures und mit dem Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien
Donnerstag, 9. November, 19.30 Uhr, Volkstheater, € 11-33 MATINEE zu "Strandflieder oder Die Euphorie des Seins" Tanzen nach Auschwitz Gäste Götz Aly, Éva Fahidi, Nicole Haitzinger, Éva Kovács und Réka Szabó Moderation Wilhelm Droste Anlässlich des Gastspiels "Strandflieder oder die Euphorie" des Seins am 9. November, in dem sich die Auschwitz-Überlebende Éva Fahidi gemeinsam mit der sechzig Jahre jüngeren Tänzerin Emese Cuhorka dem Trauma ihres Lebens stellt, lädt das Wiener Wiesenthal Institut (VWI) eine hochkarätige Runde zum Gespräch. Mit Éva Fahidi und Regisseurin Réka Szabó sprechen der Historiker Götz Aly, die Salzburger Tanzwissenschaftlerin Nicole Haitzinger sowie Éva Kovács (VWI). Sonntag, 12. November, 11 Uhr, Eintritt frei, Zählkarten T 52111-400