Enthüllung Gedenkzeichen „12. Februar 1934“

27.04.2017

Das Februar-34-Mahnmal im Rathauspark © PID, OBERWEGER GEORG
Das Februar-34-Mahnmal im Rathauspark © PID, OBERWEGER GEORG

Vom 12. bis 15. Februar 1934 fanden in Teilen Österreichs bewaffnete Auseinandersetzungen statt, die als Februarkämpfe 1934 in die Geschichte eingegangen sind. Viele Kämpferinnen und Kämpfer für Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit mussten dabei ihr Leben lassen. Gestern, Mittwoch, wurde im Rathauspark ein Gedenkzeichen enthüllt, das an diese tragischen Ereignisse erinnert.

Enthüllung des Mahnmals, Martin Huber, Gerhard Baumgartner, Gerald Netzl und die Mitglieder der Stadtregierung VzBgm. Brauner, StRin. Frauendorfer und StR. Mailath-Pokorny  © PID, OBERWEGER GEORG
Enthüllung des Mahnmals, Martin Huber, Gerhard Baumgartner, Gerald Netzl und die Mitglieder der Stadtregierung VzBgm. Brauner, StRin. Frauendorfer und StR. Mailath-Pokorny © PID, OBERWEGER GEORG

"Mit dem 12.-Februar-1934-Denkmal setzen wir ein bedeutendes Zeichen des Erinnerns. Nicht irgendwo, sondern hier an diesem zentralen, prominenten Ort, mitten im demokratischen Herzen Wiens. Denn niemals darf unserem Bewusstsein entfallen, dass Menschen für die Freiheit, die wir heute nutznießen, mit ihrem Leben eingestanden sind. Wir erleben gerade eine Zeit, wo offen gefordert wird, die Rechte einzelner zu beschränken. Hohle Phrasen, die jedoch in die Tat umgesetzt, die Gesellschaft spalten. Es liegt in unserer Verantwortung, das Erbe der Helden von 1934 anzutreten und den sozialen Frieden in diesem Land aufrechtzuerhalten. An diese Verpflichtung, an diesen Auftrag erinnert das Denkmal. Denn in Wirklichkeit sind wir nie der Vergangenheit schuldig, sondern immer der Zukunft", betont Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny im Rahmen der Enthüllung und dankt dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) sowie dem Bund Sozialdemokratischer Freiheitskämpfer für ihre Initiative zu diesem Denkmal.

"Der Februaraufstand 1934 war ein letzter verzweifelter Versuch die mühsam erkämpfte parlamentarische Demokratie, das freie und gleiche Wahlrechts sowie die Unabhängigkeit und Trennung der Gewalten von Legislative Exekutive und Judikative zu retten. Im Europa der Zwischenkriegszeit gab es nur zwei Versuche - in Österreich 1934 und in Spanien 1936 -, die Errungenschaften der Demokratie gegen eine faschistische Machtübernahme mit der Waffe in der Hand zu verteidigen. Gerade heute, wo antidemokratische europäische Bewegungen und Politiker wieder versuchen, autokratische Systeme zu etablieren und die Kontrollinstanzen der parlamentarischen Demokratie sukzessive zu beschneiden, muss daran erinnert werden, dass eine Demokratie immer aufs Neue verteidigt werden muss. All jenen Männern und Frauen, die sich mit ihrem Leben dafür eingesetzt haben, gilt dieses Mahnmal. Ihr Opfer sei uns Vermächtnis", unterstrich Gerhard Baumgartner, Leiter des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstands.

"Die Freiheitskämpferinnen und Freiheitskämpfer setzen sich seit Jahren für ein Gedenkzeichen im Zentrum Wiens ein. Mit der heutigen Enthüllung ist das geschafft. Es soll neben der Information über die Ereignisse des Februar 1934 vor allem auch dem Widerstand gegen Unrecht, dem Aufstand und der Zivilcourage gerecht werden", so Gerald Netzl, Wiener Landesvorsitzender des Bundes sozialdemokratischer FreiheitskämpferInnen, Opfer des Faschismus und aktiver AntifaschistInnen.

Zwt.: Inschrift auf dem Gedenkzeichen im Wortlaut

12. Februar 1934
Als Erste in Europa traten in Österreich Arbeiterinnen und Arbeiter am 12. Februar 1934 mutig dem Faschismus entgegen. Sie kämpften für Freiheit, Demokratie und Republik.
Am 4. März 1933 schaltete die Regierung Dollfuß das Parlament aus und regierte auf der Grundlage eines Gesetzes aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Das bedeutete: Einschränkung der Presse- und Versammlungsfreiheit, Streikverbot, die Wiedereinführung der Todesstrafe und anderes.
Von 12. bis 15. Februar 1934 standen zwischen 10.000 und 20.000 Arbeiter einer Übermacht von annähernd 60.000 Mann aus Gendarmerie und Polizei, Bundesheer und Heimwehren gegenüber. Die Kämpfe beschränkten sich im Wesentlichen auf die Arbeiterbezirke Wiens sowie die oberösterreichischen und steirischen Industriezentren. Nachdem ein landesweiter Generalstreik ausgeblieben war und Artillerie sowie Minenwerfer gegen Gemeindebauten eingesetzt worden waren, brach der Aufstand zusammen. Im Zuge der Kämpfe kamen insgesamt mehr als 350 Menschen ums Leben. Neun Kämpfer des Republikanischen Schutzbunds wurden standrechtlich hingerichtet.
Am 1. Mai 1934 proklamierte die Regierung eine neue autoritäre Verfassung ohne parlamentarische Demokratie, pluralistische Parteien und freie Gewerkschaften.
Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht - Niemals vergessen!