Floridsdorf - Polizisten retten Ärztin im Hallenbad das Leben

20.02.2017


"Mein bester Einsatz"- Polizisten als Lebensretter

Nach einem Herzstillstand im Hallenbad verdankt eine Ärztin der MedUni Wien ihr Leben zwei beherzten Polizisten und einem Defi-Projekt ihrer eigenen Klinik.

 "Es war im November 2016, eigentlich wollte ich nur ein paar Runden schwimmen. Was dann passiert ist weiß ich nicht, denn aufgewacht bin ich im AKH Wien." So erzählt Dr. Shu Huaqing, Forschungsmitarbeiterin an der Universitätsklinik für Anästhesie, Allgemeine Intensivmedizin und Schmerztherapie der MedUni Wien, von dem Tag, als sie im Hallenbad Floridsdorf einen Herzstillstand erlitt. Dass sie davon berichten kann, verdankt sie nicht nur einem geistesgegenwärtigen Bademeister und dem Rettungsteam der Berufsrettung Wien, sondern indirekt auch ihrer eigenen Klinik: Denn Shu Huaqing wurde vor dem Eintreffen der Rettung von Beamten der Wiener Polizei erfolgreich mit einem Defibrillator ins Leben zurück geholt. Dass die Polizisten einen Defi im Polizeiauto hatten, ist einem Projekt der MedUni Wien zusammen mit Puls, dem Verein zur Bekämpfung des plötzlichen Herztodes, zu verdanken.

Heute gab es ein bewegendes Wiedersehen der Ärztin mit ihren beiden Lebensrettern der Wiener Polizei, Margit S. und Christian K. "Es war ein ganz besonderer Einsatz, einen Menschen ins Leben zurückzuholen. Wir finden es toll, dass die Polizei bei diesem Projekt an so zentraler Stelle mitwirkt und mit Defis ausgestattet wird," so die beiden Polizeibeamten. "Mein bester Einsatz bisher," meint Christian K. stolz.

Retter in Blau

"Bei einem Herzstillstand zählt jede Minute. Deshalb haben der Verein Puls und die MedUni Wien das Projekt "Polizei First Responder" ins Leben gerufen", erklärt Dr. Mario Krammel, geschäftsführender Präsident von Puls und Anästhesist an der MedUni Wien. "Im Rahmen des Projekts wurden Defis in Polizeiinspektionen sowie mobil in Polizeiautos installiert und die Exekutivbeamten in den Kampf gegen den plötzlichen Herztod eingebunden. Bei entsprechenden Notrufen, die in der Rettungszentrale eingehen, wird nun neben den Rettungskräften auch die Polizei verständigt. Wenn die Polizeibeamten vor der Rettung vor Ort sind, können sie so bereits effizient helfen. Dass das Projekt nun auch jemandem aus unseren eigenen Reihen das Leben gerettet hat, zeigt eindrucksvoll, dass es wirklich jeden treffen kann", so Krammel weiter.

Seit Beginn des Projekts "First Responder Polizei Wien" im Jahr 2014 haben PolizistInnen in mehr als 200 Fällen mit Hilfe eines Defibrillators eine erfolgreiche Reanimation durchgeführt - und damit die Überlebensrate bei Herzstillstand fast verdoppelt.

Für Univ.-Prof. Klaus Markstaller - Leiter der Univ. Klinik für Anästhesie - ist das Defi-Projekt zwischen der MedUni Wien und dem Verein Puls richtungsweisend. "Wir brauchen mehr solcher Projekte, die universitär initiiert, getragen und wissenschaftlich begleitet werden, mit einer hoch motivierten Gruppe von Gleichgesinnten, die diese Ideen vermarkten und verbreiten." An diesem interdisziplinären Projekt sind auch innerhalb der MedUni Wien vier Universitätskliniken beteiligt: Anästhesie, Innere Medizin, Notfallmedizin und Unfallchirurgie.

Auch für Wiens Landtagspräsidenten Harry Kopietz, der auch Präsident des Vereins Puls ist, ist das Projekt eine Herzensangelegenheit: "Am Ende des Tages zählt nur das gerettete Leben. Eines ist schon genug, aber es sind mittlerweile schon so viele durch dieses Projekt gerettet worden. Und jedes Leben ist etwas besonders Wertvolles", betont Kopietz.

Weitere Informationen zum Verein Puls www.puls.at