Gemeindebaubenennung nach Fußballlegende Gerhard Hanappi

24.05.2017

© Christian Jobst/Pid
© Christian Jobst/Pid

Zahlreiche Rapid-Profis nahmen an der Feierlichkeit in der städtischen Wohnhausanlage, die von Hanappi geplant wurde, teil.

Anstelle eines älteren Kommunalbaues wurde in der Ottakringer Liebhartsgasse 54-56 nach den Plänen des Architekten und der ehemaligen Fußballstars Gerhard Hanappi zwischen 1979 und 1981 eine städtische Wohnhausanlage mit 25 Wohnungen errichtet.
Wohnbaustadtrat Michael Ludwig, Bezirksvorsteher Franz Prokop und SK Rapid-Geschäftsführer Christoph Peschek nahmen gestern, Dienstag, die Benennung des Gemeindebaus nach seinem Planer in "Gerhard-Hanappi-Hof" vor. Es moderierte Rapid-Sprecher Andi Marek.
Die aktiven Rapid-Profis Steffen Hofmann, Christopher Dibon, Stefan Schwab, Louis Schaub, Richard Strebinger und Joelinton nahemn ebenso an dem Festakt teil wie die Rapidlegenden Alfred Körner, Rudolf Flögel und Walter Skocik .
Für Hanappis Söhne Gerhard "Hardy" und Michael sowie Enkeltochter Katalin gab es zur Erinnerung die Benennungstafel in kleiner Ausfertigung. ****

"Als Allrounder war Ballkünstler Gerhard Hanappi auf jeder Position des Spielfeldes einsetzbar. Als anerkannter Architekt war er ebenso vielseitig wie als Sportler. Er war eine starke Identifikationsfigur der durch den Faschismus und die Kriegsereignisse traumatisierten Generation nach dem 2. Weltkrieg. Gerhard Hanappi ist heute noch ein Vorbild für sozialen Aufstieg durch sportliche Leistung und hervorragende Ausbildung", hielt Wiens Wohnbaustadtrat Michael Ludwig fest.

"Die Wohnhausanlage in der Ottakringer Liebhartsgasse wurde in den Jahren 1979-1981 nach den Plänen des Architekten und ehemaligen Spitzenfußballers Gerhard Hanappi errichtet. Dem Gedanken Hanappis vom neuen und modernen Wohnen folgend haben die Stadt Wien und der Bezirk in den letzten Jahren starke Bemühungen gesetzt in diesem Teil von Ottakring neuen Wohnraum für die mehr als 100.000 OttakringerInnen zu schaffen", freute sich der Ottakringer BV Franz Prokop über die nun erfolgte Benennung.
Christoph Peschek, Geschäftsführer Wirtschaft beim SK Rapid, meinte zur Benennung des Gerhard-Hanappi-Hofs: "Gerhard Hanappi war nicht nur ein herausragender Fußballer von internationalem Format und langjähriger Kapitän unseres Klubs, sondern darüber hinaus ein angesehener Architekt. Nachdem das von ihm geplante einstige Weststadion bereits seinen Namen trug und wir dankenswerterweise nach der Eröffnung unseres neuen Allianz Stadions die Vereinsadresse Gerhard-Hanappi-Platz unser eigen nennen, ist die Benennung dieses Baus eine weitere wertvolle Anerkennung für die viel zu früh verstorbene Rapid-Legende. Ich bin sehr stolz, dass wir mit einer Abordnung des SK Rapid bei dieser Benennungsfeier dabei sein dürfen und danke den Verantwortlichen der Stadt Wien, dass Gerhard Hanappi so ein weiteres Andenken in seinem Namen gewidmet ist!"

Gerhard Hanappi (1929 - 1980)

Gerhard Hanappi wurde am 16. Februar 1929 in Wien geboren. Bereits als 17-Jähriger spielte er in der Kampfmannschaft des Meidlinger Fußballvereins Wacker. Zwei Jahre später debütierte er in der Nationalmannschaft. Danach spielte er für den SK Rapid und gewann insgesamt sieben Meistertitel. Den Höhepunkt als Nationalspieler feierte er bei der Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz, wo er in der "Hitzeschlacht von Lausanne" mit 7:5 den Gastgeber besiegte und das kleine Finale um Platz drei gewinnen konnte. 1955 wurde er Sportler des Jahres.
Nach dem Besuch der HTL in Mödling begann Gerhard Hanappi ein Architekturstudium an der Technischen Hochschule Wien, das er 1957 abschloss. Nach dem Ende seiner Sportkarriere arbeitete er in verschiedenen Architekturbüros. Noch im selben Jahr wurde er als erster Fußballer mit dem Goldenen Verdienstzeichen der Republik Österreich geehrt. Sein wohl bekanntester Bau war das später nach ihm benannte Weststadion des Fußballvereins Rapid, das 2016 durch einen Neubau ersetzt wurde.
Gerhard Hanappi verstarb am 23. August 1980 in Wien. Die Fertigstellung "seines Gemeindebaus" erlebte er somit nicht mehr.

Der Gerhard-Hanappi-Hof

Die Wohnhausanlage fällt vor allem durch ihre starke horizontale Gliederung auf. Im Erdgeschoß dominiert ein durchgängiges Fensterband, in dessen Mitte der Eingang zum Kindertagesheim liegt. Im ersten und zweiten Obergeschoß verschmelzen die Brüstungen der Laubengänge zu einem horizontalen Band, in den zwei darüber liegenden Geschoßen gruppieren sich zwei- und dreiflügelige Fenster aneinander. Das oberste Geschoß ist etwas hinter die Baulinie versetzt. Auffallend ist der erkerartige und farblich akzentuierte Abschluss an der rechten Gebäudeseite, der gemeinsam mit einem weiteren, weit hinter die Baulinie zurücktretenden Gebäudeteil und einem Teil des Nachbargebäudes einen kleinen Platz vor der Garageneinfahrt ausbildet. Der am weitesten hinten liegende Teil ist mit nur zwei Fensterachsen relativ schmal. Trotzdem nimmt er die starke horizontale Gliederung der Hauptfassade auf, indem die Fensterreihen mit Farbbändern hinterlegt werden. Im Erdgeschoß dieses Gebäudeteiles dominiert die Einfahrt zur hauseigenen Tiefgarage.