Größter „Wasserkocher“ Wiens geht ans Netz

20.10.2017

Power-2-Heat-Anlage in der Leopoldau: saubere Wärme und Beitrag zu stabilem Stromnetz

Wien Energie setzt auf innovative Lösungen - die neue Power-2-Heat-Anlage in der Leopoldau koppelt Strom- und Fernwärmenetz, um Energie intelligent und noch effizienter zu nutzen. Die Anlage wurde heute offiziell eröffnet: "Die neue Power-2-Heat-Anlage, eine Art überdimensionaler Wasserkocher, der überschüssigen Ökostrom in umweltfreundliche Wärme umwandelt, versorgt künftig bis zu 20.000 Haushalte mit Fernwärme. So wird Heizen in Wien noch sauberer und sicherer. Die innovative Anlage ist ein wichtiger Beitrag für die Versorgungssicherheit in unserer Stadt, so Ulli Sima, Stadträtin für Umwelt und Wiener Stadtwerke.

Energie von 10 Windrädern

Ein Überschuss an Energie entsteht zum Beispiel bei besonders starkem Wind. Windkraftanlagen produzieren dann gegebenenfalls deutlich mehr Strom als gerade verbraucht wird. Michael Strebl, Vorsitzender der Wien Energie-Geschäftsführung: "Mit dieser hochmodernen Anlage mit einer Gesamtleistung von 20 Megawatt schafft Wien Energie die Möglichkeit, das Fernwärmenetz weiter zu verdichten und setzt einen wichtigen Schritt für die Energiewende: Die Power-2-Heat-Technologie erleichtert die Integration erneuerbaren Stroms ins Energiesystem. Wir haben hier die Kapazität, den Strom von bis zu zehn Windkraftanlagen aufzunehmen und in Wärme umzuwandeln."

Die neue Anlage wird im Falle eines Strom-Überangebots aktiviert und nimmt den Überschuss auf. Dadurch trägt die Anlage zur Stabilisierung des Stromnetzes bei und ermöglicht die vollständige Nutzung von Strom aus erneuerbaren Quellen. Die entstandene Wärme wird in Form von heißem Wasser in das Wiener Fernwärmenetz eingespeist und kann so direkt und effizient in den umliegenden Haushalten im Nordwesten Wiens genutzt werden.

Ökologisch sinnvoll

Dass Wien Energie damit auf dem richtigen Weg ist, betont auch Karl Gruber, technischer Geschäftsführer von Wien Energie: "Die integrierte Betrachtung unterschiedlicher Sektoren ist wesentlich für die Energiewende. Mit der Power-2-Heat-Anlage in der Leopoldau geht es um eine unkonventionelle Koppelung der Sektoren Strom und Wärme. Das ist ökologisch sinnvoll, da fossile Brennstoffe für Wärmeerzeugung gespart werden."

So funktioniert die Power-2-Heat-Anlage

Die Produktion von erneuerbarer Energie wie Solar- oder Windstrom ist schwer steuerbar und wetterabhängig. So wird bei starkem Wind gegebenenfalls viel mehr Energie produziert als aktuell verbraucht wird und es entsteht ein Überangebot. In diesem Fall wird die Power-2-Heat-Anlage aktiviert. In der Anlage selbst wird der überschüssige Strom aus dem Netz in Elektroden-Kesseln zur Erhitzung von Wasser genutzt. Über einen Wärmetauscher wird das auf ca. 160 Grad Celsius heiße Wasser ins Fernwärmenetz eingespeist. Die Einrichtung in der Leopoldau besteht aus zwei Anlagen mit je 10 MW Leistung - diese können unabhängig voneinander betrieben werden. Die Anlagen laufen nicht im Dauerbetrieb, sondern nehmen dann Strom auf, wenn ein Überangebot gegeben ist.

Eckdaten: Power-2-Heat-Anlage Leopoldau

  • zwei Elektroden-Kessel mit je 10 MW Leistung und max. 12 bar
  • erhitzt mit überschüssigem Strom aus dem Netz Wasser auf über 160 Grad Celsius
  • kann bis zu 20.000 Haushalte mit Wärme versorgen
  • kann Strom von z.B. 10 Windkraftanlagen aufnehmen

Eckdaten: Fernwärme von Wien Energie

  • Wien Energie versorgt 370.000 Haushalte und 6.800 Großkunden mit Fernwärme
  • In den Anfängen vor knapp 50 Jahren war das Fernwärmenetz 26 Kilometer lang und versorgte das Allgemeine Krankenhaus Wien und einige wenige große Gemeindebauten. Heute: Über 1.200 Kilometer Leitungen (entspricht der Strecke Wien - Paris). In allen 23 Bezirken kann Fernwärme bezogen werden.
  • Es gibt 17 Produktionsanlagen, die bekannteste ist die Müllverbrennungsanlage Spittelau.