Jüdisches Museum Wien: Neue Kunstinstallation bereichert Dauerausstellung

15.12.2017

(KUNST UND KULTUR) "Ein Paravent für Maria Theresia" von Eva Schlegel ab sofort zu sehen

Am 18. Dezember 1744 erließ Maria Theresia ein Dekret, das die Ausweisung aller Jüdinnen und Juden aus Prag anordnete. Die ausge-prägte negative Einstellung der Regentin gegenüber Jüdinnen und Juden wird in den meisten Berichten über sie ausgeblendet. Das Jüdische Museum Wien, ein Unternehmen der Wien Holding, hat den 300. Geburtstag Maria Theresias zum Anlass genommen, eine Kunstin-stallation zu diesem Thema zu gestalten. Mit dem "Paravent für Maria Theresia" wird ein von der Künstlerin Eva Schlegel gestalteter Gedenkraum, der an Menschen vor und hinter herabwürdigenden Barrieren erinnern soll, präsentiert. Die Kunstinstallation ist ab sofort in der Dauerausstellung "Unsere Stadt! Jüdisches Wien bis heute" zu sehen.

Es gibt keine ärgere Pest als di(e)se Nation

Anlässlich des 300. Geburtstages Maria Theresias (1717-1780), der 2017 begangen wurde, soll ein Kapitel angesprochen werden, das bisher in den Ausstellungen über die wichtigste Regentin ihrer Zeit meist ausgespart oder nur am Rand Erwähnung fand: ihre ausgeprägt negative Einstellung gegenüber Jüdinnen und Juden. Über Maria Theresia wurde berichtet, dass sie die Jüdinnen und Juden, die sie zur Finanzierung der Kriege und ihres Lebensstils rufen ließ, ausschließlich hinter einem Paravent empfangen hätte. Der Paravent wurde hier zu einem Symbol für eine menschenverachtende Distanz, das ihrer obsessiven Anstrengung gleichkam, Jüdinnen und Juden in Wien von Nichtjüdinnen und -juden räumlich zu trennen.

Das Jüdische Museum Wien erinnert an diesen beklemmenden biografischen Aspekt jener Herrscherin, die Österreich prägte, wie kaum jemand zuvor. Die Künstlerin Eva Schlegel wurde vom Museum eingeladen, mit dem Symbol des Paravents eine neue Arbeit für die Dauerausstellung zu gestalten. Ein Rokoko-Paravent aus Schloss Schönbrunn, der sich heute im Hofmobiliendepot befindet, und ein Dankgebet aus dem Jahr 1757 der wieder nach Prag zurückgekehrten Jüdinnen und Juden für "Ihro Majestät der Allergnädigsten Kaiserin", dienten Eva Schlegel als Inspirationsquelle für ihre Arbeit.

Direktorin Danielle Spera betont: "Wir wollten den 300. Geburtstag Maria Theresias nicht vorübergehen lassen, ohne an eine Seite zu erinnern, die meist ausgeklammert wird. Gerade in diesen Tagen soll der Vertreibung der Jüdinnen und Juden aus Prag gedacht werden, die im besonders kalten und bitteren Winter von 1744 nirgends Zuflucht fanden. Jüdinnen, die so wie Maria Theresia zu diesem Zeitpunkt schwanger waren, mussten ihre Kinder im Freien oder in einem Stall zur Welt bringen. Eine hoffnungslose Herbergssuche."

Das Jüdische Museum Wien dankt für die Unterstützung zur Umsetzung dieses Projekts ganz besonders SORAVIA und für die Fotovorlage des Rokoko-Paravent (Foto: Schütze) bei der Bundesmobilienverwaltung, Schloss Schönbrunn.