Jüdisches Museum Wien: "Trude & Elvis. Wien - Memphis - Hollywood"

04.04.2017

Das Jüdische Museum Wien erzählt von 5. April bis 12. November 2017 in der neuen Ausstellung „Trude & Elvis. Wien – Memphis - Hollywood“ die Geschichte von Trude Forsher, Elvis Presleys jüdischer Sekretärin aus Wien, der 1938 die Flucht von Wien über London nach New York gelang.

5. April bis 12. November, Museum Dorotheergasse

Das Jüdische Museum Wien, ein Museum der Wien Holding, erzählt von 5. April bis 12. November 2017 in der neuen Ausstellung "Trude & Elvis. Wien - Memphis - Hollywood" die Geschichte von Trude Forsher, Elvis Presleys jüdischer Sekretärin aus Wien, der 1938 die Flucht von Wien über London nach New York gelang.

Elvis Presleys jüdische Sekretärin aus Wien

Zu Beginn seiner fulminanten Karriere hatte Elvis Presley eine Privatsekretärin namens Trude Forsher (1920-2000), die aus einer Wiener jüdischen Familie stammte. Elvis spielte 1956 gerade in seinem ersten Film Love Me Tender, als Trude das Team seines Managers Colonel Tom Parker verstärkte. In einer Zeit, als Frauen im Berufsleben noch nicht selbstverständlich waren, avancierte sie rasch zu seiner Werbemanagerin und erlebte den Aufstieg von Elvis Presley zum Superstar mit. Trude Forshers persönliches Glück blieb allerdings auf der Strecke: Ihr Mann konnte mit ihrem Erfolg nicht Schritt halten und verließ die Familie.

1960 gründete Trude Forsher mit Adolph Zukor II. eine eigene TV-Produktionsfirma, nach ihrer Pensionierung setzte sie sich für geschiedene Frauen ein, deren Ex-Männer die Alimente verweigerten. Für ihr soziales Engagement wurde Trude Forsher mehrfach ausgezeichnet.

Geschichte einer besonderen Karriere

Trude Forsher (geb. Adler) kam 1920 als Kind einer Wiener jüdischen Familie zur Welt. Mit knapper Not entkam sie im August 1938 dem NS-Terror, indem sie eine Stelle als Dienstmädchen in London annahm. Sie war gerade 18 Jahre alt und hatte keinerlei Berufserfahrung. Daher musste sie oft ihre Arbeitgeber wechseln, dazwischen lebte sie auf der Straße. Durch ihre Überzeugungskraft fand sie Unterstützung und es gelang ihr, ihre Eltern nach dem Novemberpogrom 1938 nach London zu holen. Ein in den USA lebender Verwandter ermöglichte es Trude und ihren Eltern schließlich, in die USA zu kommen. In New York traf sie einen Bekannten aus Wien wieder, Bruno Forsher. 1942 wurde geheiratet, zwei Söhne folgten. 1951 übersiedelte die Familie nach Kalifornien.

Trude Forsher in Hollywood

In Kalifornien stießen sie auf entfernte Verwandte, die ebenfalls aus Wien stammenden Musikproduzenten Jean und Julian Aberbach. Deren 1944 gegründeter Verlag Hill and Range Songs hatte sich in der Country & Western Musik bereits einen Namen gemacht und widmete sich nun dem gerade aufkommenden Rock 'n' Roll. Hier waren fast alle Komponisten von Elvis Presley unter Vertrag. Als ihr ein Job bei Elvis angeboten wurde, wusste Trude Forsher nicht einmal wer er war. Plötzlich gehörte sie zum innersten Kreis um Elvis Presley und arbeitete in Hollywood für ihn und seinen Manager Colonel Tom Parker. Trude Forsher war nicht nur die einzige Frau im Team, sondern auch die einzige Jüdin. Dies war für Parker vermutlich mit ein Grund für ihr Anstellung, da zahlreiche Akteure des US-Showbiz jüdisch waren. Mit Trude als Vorzimmerdame erwartete er sich einen Verhandlungsvorteil. Trude Forsher arbeitete für Elvis während seiner ersten sechs Filme, hautnah erlebte sie auch seine Trauer um den frühen Tod seiner Mutter im August 1958 mit.

Bruno Forsher sah es nicht gern, dass seine Frau mit dem Manager von Elvis Presley einen freundschaftlichen Umgang pflegte, vermutlich vergönnte er Trude auch ihren Erfolg nicht und ließ sich schließlich scheiden, was zur traurigen Ironie führte, dass Trude ihren Job verlor, weil eine geschiedene Frau im Team von Elvis in den prüden 1950er Jahren keinen guten Eindruck hinterlassen hätte. In ihrer Zeit nach Elvis gründete Trude mit Adolph Zukor II., dem Enkel des legendären Filmmoguls und Gründer von Paramount Pictures, die TV-Produktionsfirma Zukor-Forsher-Productions, Inc. Zukors Name öffnete alle Türen vor Ort, gemeinsam produzierten sie einige erfolgreiche TV-Shows. Trude war damals die einzige Frau des US-Showbiz in diesem Beruf. Nach ihrer Pensionierung engagierte sie sich sozialpolitisch für geschiedene Mütter und im Sozialreferat des Rathauses von Los Angeles, wofür sie mehrfach ausgezeichnet wurde.

Trudes Sohn James Forsher stellte dem Jüdischen Museum Wien ihren umfangreichen Nachlass mit zahlreichen Unikaten aus der frühen Glanzzeit des Rock 'n' Roll-Zeitalters zur Verfügung. Parallel dazu drehte Kurt Langbein eine TV-Dokumentation zum selben Thema in Kooperation mit dem ORF.