„Mischung: Nordbahnhof“ und Stadt Wien beziehen Nordbahn-Halle

12.06.2017

© nordbahnhalle.org
© nordbahnhalle.org

Die Stärkung der ganzheitlich nachhaltigen Nutzungsmischung am Nordbahnhof Wien ist die zentrale Aufgabe des von der TU Wien geleiteten Projektes "Mischung: Nordbahnhof". Zu diesem Zweck wurde ein vielschichtiges Konzept entwickelt, das eine experimentelle Zusammenarbeit verschiedenartiger AkteurInnen vorsieht. Zentraler Ausgangspunkt für das Vorhaben ist die Transformation einer bestehenden Lagerhalle in einen urbanen Experimentierort für den neuen Stadtteil.

In der neu benannten Nordbahn-Halle werden innovative Arbeitsplätze und kulturelle Veranstaltungen angeboten. Ein Co-Working Space, offene Werkstätten und multifunktionale Veranstaltungsräume sollen nachhaltig neue kreative Nutzungen ins Quartier bringen. Ausstellungen zeigen neue Möglichkeiten der Stadtproduktion. Die Schau "Stadtraum" informiert mithilfe modernster 3D-Technik über die weiteren Schritte am Nord- und Nordwestbahnhofareal.

Christian Peer von der Projektleitung (TU Wien): "Im F&E-Projekt >Mischung: Nordbahnhof< geht es um die Entwicklung ganzheitlich nachhaltiger Stadtquartiere. Dafür sind offene gestaltete Stadtentwicklungsprozesse und die Mischung von Wohnen und Arbeiten auch im Neubau erforderlich."

Im Rahmen einer design.build-Lehrveranstaltung der TU Wien werden die Räume der Halle von Studierenden architektonisch neu interpretiert und baulich adaptiert. Zukünftige bzw. bereits vor Ort aktive MacherInnen und AnbieterInnen haben die Möglichkeit, diese Räume zu nutzen, sich an der Entwicklung des neuen Stadtteils Nordbahnhof zu beteiligen und in weiterer Folge in die neu entstandenen Gewerbeflächen im Nordbahnhofquartier einzuziehen. Die ersten Räume für MacherInnen wurden in einem offenen Call in Zusammenarbeit mit der Online-Plattform imGrätzl.at (Forschungspartner) schon ab Mai 2017 angeboten - der erste Bezug wird bereits im Juni 2017 stattfinden können. Weitere Co-Working und Co-Making Angebote sind ab Mitte Juli geplant.

In der Anfangsphase der Bespielung der Nordbahn-Halle, von 21. Juni bis 31. Juli 2017, entwickelt der Forschungspartner Architekturzentrum Wien einen öffentlichen Arbeitsraum im Rahmen der Vienna Biennale. Die Kuratorinnen Angelika Fitz und Elke Krasny haben sechs internationale Architekturteams eingeladen, mit lokalen Initiativen und ExpertInnen Prototypen für einen Care + Repair Urbanismus zu entwickeln. Wie können wir die Zukunft reparieren? Eine wachsende Ausstellung und eine Serie von Veranstaltungen in der Nordbahn-Halle verdeutlichen, wie Care + Repair Architektur die Stadt mit in die Zukunft nimmt. "Sorgetragen und Reparieren sind, wie Architektur und Urbanismus, konkrete Aktivitäten. Sie werden an konkreten Orten wirksam. Aus diesem Grund überschreitet das Architekturzentrum Wien die Mauern des MuseumsQuartiers und eröffnet einen öffentlichen Arbeitsraum am ehemaligen Nordbahnhof, einem der spannendsten innerstädtischen Stadtentwicklungsgebiete Wiens", so Angelika Fitz, Direktorin des Architekturzentrum Wien.

Parallel dazu wird die Stadt Wien, als externe Kooperationspartnerin, im STADTRAUM einen Teil der Nordbahn-Halle dem Thema Stadtentwicklung am Nord- und Nordwestbahnhof widmen. Im Zentrum des STADTRAUM steht ein digital bespieltes Stadtmodell des Gebietes, das bis Ende 2018 umfassende Informationen rund um die beiden neuen Stadtteile bieten wird. Historisches wird dabei ebenso wie die aktuellen und künftigen Entwicklungen präsentiert. Abgerundet wird die Schau durch eine Diskussions-Reihe zu aktuellen Themen der Stadtentwicklung vor Ort. Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou dazu: "Wien gelingt es, Wachstum nicht nur zu managen, sondern mit mehr Lebensqualität zu verbinden. Gerade die Projekte Nordbahnhof und Nordwestbahnhof werden zeigen, dass attraktive Grünräume, leistbares Wohnen und intelligente Mobilität mithilfe guter Planung neue Qualitäten setzt. Der Info-Treff STADTRAUM in der Nordbahn-Halle unterstützt uns auf dem Weg dorthin." Ganz ähnlich lautet auch die Einschätzung von Bezirksvorsteherin Ursula Lichtenegger: "Der Nordbahnhof wird mit State-of-the Art-Stadtplanung, der großen, grünen Freien Mitte, Urbanität, klug bespielten Erdgeschoßzonen und modernen Schulen und Kindergärten zum innovativsten Grätzel Europas."

Das Thema Nutzungsmischung ist für das neue Nordbahnviertel zentral. Die Entwicklung des neuen Nordbahnviertels in Wien wird im städtebaulichen Leitbild "Nordbahnhof Wien" skizziert, das in einem umfangreichen Handbuch (Studiovlay 2015) vorliegt und laufend weiterentwickelt wird. Das Projekt basiert auf einer innovativen Umverteilung der Ressourcen: aus der Einsparung von 85 Prozent der Verkehrsinfrastruktur soll das Kapital mobilisiert werden, das die Entwicklung eines Freiraumes von übergeordneter Bedeutung ermöglicht. Gleichzeitig wird das Potenzial der Nutzungsmischung durch die hohe Konzentration der Bebauung gefördert, jedoch besteht in den Strukturen für die Entwicklung von neuen Stadtgebieten und in den damit verbundenen Umsetzungsprozessen Aufholbedarf. Das Ideal einer belebten nutzungsgemischten Stadt wird theoretisch oft gewünscht, doch in der Praxis nur mit erheblichen Abweichungen umgesetzt. Es fehlen dafür etwa Ressourcen, Zuständigkeiten und auch alternative Praktiken. Vieles bleibt dem Paradigma der funktionalen Trennung und der Priorisierung des Wohnbaus verhaftet. So werden Wohnquartiere statt Stadtquartiere gebaut.

Durch das Forschungs- und Entwicklungsprojekt "Mischung: Nordbahnhof" entsteht vor allem eine Offenheit für das Experiment. Durch konkrete Maßnahmen für die Entwicklung von Nutzungsvielfalt im neuen Stadtteil Nordbahnhof Wien werden Kommunikations-, Partizipations- und Lernprozesse (Netzwerkmaßnahmen, Netzwerkplattform) initiiert und eine konzeptuelle Rahmung etabliert. Beispiele sind die Umsetzung innovativer Baumaßnahmen (Gebäudeinnovationen, Attraktivierung öffentlicher Räume zum Thema Arbeit sowie als Übergänge zu urbanen Frei- und Grünräumen, Urban gardening) sowie eine laufende Evaluierung. Eine sonst fehlende Begleitung des Nutzungsmanagements mit der Integration relevanter sonst nicht miteinander agierender - auch nicht institutioneller - AkteurInnen wird ermöglicht, etwa durch die online-Plattform imGrätzl.at. Die langfristige Implementierung der Erkenntnisse und der entstandenen Dynamik wird durch die Einbindung der BauträgerInnen und des zukünftigen Quartiersmanagements sichergestellt.