Sammlerin, Kuratorin, Kunstexpertin: Elisabeth Leopold wurde mit Goldenem Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien ausgezeichnet

15.02.2017

Elisabeth Leopold, Kunstsammlerin und Vorstand des Leopold Museums Wien, erhielt heute, Mittwoch, im Wiener Rathaus das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien. Familie und Wegbegleiterinnen waren bei dieser Feierstunde dabei, u. a. BM a. D. Hilde Hawlicek, Hans-Peter Wipplinger, Direktor Leopold Museum, Günter Geyer, Generaldirektor Wiener Städtische, KHM-Chefin Sabine Haag, MUMOK-Direktorin Carola Kraus, Danielle Spera, Direktorin des Jüdischen Museums, AK-Direktor i. R. Werner Muhm und Arik Brauer.

Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny erinnerte im Rahmen der Ehrung an die Entstehungsgeschichte des Leopold Museums, die nicht ganz friktionsfrei verlaufen ist: "Heute jedoch ist das Museum mit seinen spannenden Ausstellungen und Positionen aus Wien nicht wegzudenken. Die Sammlung inmitten der Stadt als konstitutiven Bestandteil zu wissen, verdanken wir dem großen Lebenswerk des Ehepaars Leopold. Sammeln erfordert ein hohes Maß an Leidenschaft, Empathie und Hingabe, aber auch Hartnäckigkeit und Verzicht anderem gegenüber. Elisabeth Leopold bringt all das mit sowie eine tiefempfundene Verantwortung für ihre Sammlung und den Wunsch, diese mit der Öffentlichkeit zu teilen".

BM a. D. Josef Ostermayer thematisierte in seiner Laudatio für Elisabeth Leopold die Restitution zweier Schiele-Blätter; ein langjähriger Disput, an dessen Lösung er maßgeblich beteiligt war. Darüber hinaus würdigte er Elisabeth Leopold als Sammlerin, Sammlergattin, Kuratorin, Museumsgründerin, Kunstbegeisterte: "Ohne ihre Ruhe, Unerschütterlichkeit und Bescheidenheit sowie ihr Feuer, dass sie für die Sammlung versprüht, wäre die geniale Sammlertätigkeit von Rudolf Leopold nicht möglich gewesen."

"Ich liebe Wien. Ich bin hier aufgewachsen, bin eine echte Wienerin", bekräftigte Elisabeth Leopold im Rahmen der Ehrung ihre Beziehung zu ihrer Heimatstadt. Darüber hinaus unterstrich sie die Bedeutung ihres Mannes für die Kunstwelt: "Mein Mann war ein echtes Erkennungsgenie. Dass die österreichische Kunst heute international eine Rolle spielt, ist ein Verdienst von ihm".

Biographie Elisabeth Leopold

Elisabeth Leopold wurde 1926 in Wien-Hernals geboren. Sie studierte ab 1951 an der Uni­versität Wien Medizin und wurde Augenärztin. Während ihres Studiums lernte sie Rudolf Leopold (1925-2010) kennen, den sie bereits damals bei seinen Kunstreisen begleitete und ihn beim Anlegen seiner Sammlung unterstützte. 1953 heirateten die beiden. Leopold war bis zu ihrem 69. Lebensjahr als Augenärztin tätig, hat drei Kinder und vier Enkelkinder.

Auf ihren Mann geht die Sammlung Leopold zurück, der in den 1950er Jahren begann, Werke von damals wenig bekannten und/oder geschätzten Künstlern zu sammeln. Sie um­fasst die weltgrößte Sammlung von Werken Egon Schieles sowie Werke von Gustav Klimt, Oskar Kokoschka, Richard Gerstl, Alfred Kubin, Kolo Moser, Albin Egger-Lienz, Carl Moll, Herbert Boeckl, Anton Faistauer, Anton Kolig, Josef Hoffmann, Adolf Loos, Otto Wagner oder Albert Paris Gütersloh.

1994 wurde die Sammlung des Ehepaares Leopold in die Leopold Museum-Privatstiftung einge­bracht und Rudolf Leopold auf Lebenszeit zum künstlerischen Leiter bestellt. Die Stiftung hat den Zweck, die vom Stifter gegründete Sammlung auf Dauer zu erhalten, der Öffentlichkeit durch den Betrieb eines Museums zugänglich zu machen, zu dokumentieren und wissen­schaftlich aufzuarbeiten. Dadurch soll insbesondere die Wiener Moderne zu Beginn des 20. Jahrhunderts in ihrer Bedeutung für die kulturelle Entwicklung Österreichs dargestellt wer­den.

Nach dem Tod ihres Mannes im Juni 2010 zog Elisabeth Leopold in den Vorstand der Stif­tung ein, dem sie bis heute angehört. Fallweise fungiert sie auch als (Mit-)Kuratorin bei Ausstellungen im Leopold-Museum, so etwa 2006 von "Frauenbilder" oder 2012 von "nackte männer".