Stefan Zweig – Das Europa-Projekt

30.06.2017

(von li. nach re.) Prof. Ulrich Gansert, Univ.-Prof. Dr. Hubert Christian Ehalt, Dr. Pil., tit. Prof. Klemens Renoldner, Michaela Kauer MBA  © Wien-Haus
(von li. nach re.) Prof. Ulrich Gansert, Univ.-Prof. Dr. Hubert Christian Ehalt, Dr. Pil., tit. Prof. Klemens Renoldner, Michaela Kauer MBA © Wien-Haus

Wiener Vorlesung zum 75. Todestag von Stefan Zweig in der Europa-Hauptstadt

Am 29. Juni 2017 war Hubert Christian Ehalt mit seiner Veranstaltungsreihe "Wiener Vorlesungen" wieder zu Gast in Brüssel. Seit 30 Jahren ist dieses Dialogforum der Stadt Wien ein Wissenschaftskolleg, das aktuelle Ereignisse und Entwicklungen in der Welt der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, Kultur und des Wissens zur Diskussion stellt. Hochaktuell - im Jahr zukunftsträchtiger Wahlen in vielen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union - stand bei dieser Brüsseler Wiener Vorlesung der politische Stefan Zweig im Mittelpunkt. Mehr als 100 Gäste waren erfreut dieser Einladung gefolgt.

Der politische Stefan Zweig

Der Literaturwissenschafter und Schriftsteller Klemens Renoldner skizzierte einen Stefan Zweig, der sich, wie kein anderer österreichischer Schriftsteller seiner Zeit, so eindeutig einem geeinten Europa verschrieben hatte. Zweig fühlte sich aufgrund seiner Lebenssituation heimatlos: in Wien geboren, verbrachte er Jahre in Salzburg und wanderte schließlich aus. Durch sein Engagement für ein geeintes Europa und seiner Warnungen vor den Gefahren des Nationalismus hielt er es für notwendig, seinen Abschied aus Österreich ins Auge zu fassen. Aus einer Furcht begründet, verbrachte er acht Jahre seines Lebens im Exil, u.a. in England, den USA und Brasilien. Ein Gleichgesinnter in der Sorge vor der sich anbahnenden Jahrhundertkatastrophe war Joseph Roth, der mit Zweig einen regen Briefwechsel führte. Der erhaltene Schriftverkehr der beiden stellt ein wichtiges zeitgeschichtliches Dokument mit einer durch das Wesen der beiden Schriftsteller begründeten Dramaturgie dar.

"Schachnovelle"

Prof. Ulrich Gansert nahm das Publikum bei seiner Lesung aus der Schachnovelle mit an Bord eines Passagierdampfers von New York nach Buenos Aires, in die Welt eines kühl kalkulierenden Schachweltmeisters, der erst durch das Schachspiel aus seiner totalen Teilnahmslosigkeit dem Leben gegenüber erwacht; seines Gegenspielers, einem Millionär, dessen Selbstverständnis eine Niederlage, sei sie auch nur im Spiel, nicht hinnehmen kann und einen von den Nationalsozialisten Gebrochenen, dessen einziger Halt in der Isolationshaft das Schachspiel darstellte.

Miteinander wichtiger denn je

Christian Ehalt zeigte sich überzeugt davon, dass die Einstellung Stefan Zweigs, dass nur ein vereintes Europa die einzige Möglichkeit darstellt, zukünftige Kriegsgefahren und Nationalismus abzuwenden, mehr denn je Gültigkeit hat.

Michaela Kauer, die Leiterin des Wien-Hauses, bedankte sich bei Christian Ehalt für seine jahrelange Treue dem Wien-Haus und dem Brüsseler Publikum gegenüber. Die Zusammenarbeit mit dem Weltbürger Ehalt und "seinen" Wiener Vorlesungen war immer sehr bereichernd und führte zu lebhaften Diskussionen wichtiger Fragen der europäischen Politik, Wirtschaft und Kultur.

Der Abend wurde wie immer in Kooperation mit den Wiener Vorlesungen und der Magistratsdirektion - Europa und Internationales im Rahmen der Reihe "Städte im Dialog" veranstaltet.