Wien ehrt Sozialpolitikerin Hildegard Burjan mit Gedenktafel

15.05.2017

© C. Jobst/PID
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Bürgermeister Häupl (Mitte), ÖVP Klubobmann Manfred Juraczk (li) und Gemeinderätin Gudrun Kugler (re.) enthüllen eine Gedenktafel in Erinnerung an Hildegard Burjan am Rathaus

Bürgermeister Häupl enthüllte Tafel gemeinsam mit ÖVP-Wien-Klubobmann Manfred Juracka, GRin Gudrun Kugler, GRin Ingrid Korosec und Weihbischof Franz Scharl

Die Stadt Wien ehrt die erste weibliche Parlamentarierin der Ersten Republik, Hildegard Burjan, mit einer Gedenktafel im Arkadenhof des Wiener Rathauses. Burjan wurde am 16. Februar 1919 im Zuge der ersten freien und gleichen Wahl in der Geschichte der Ersten Republik ins Hohe Haus gewählt, nachdem sie 1918 in den Wiener Gemeinderat eingezogen war. Die Sozialpolitikerin war Teil der großen Koalition zwischen Christlich Sozialen und der Sozialdemokratischen Partei Österreichs, die unter anderem den Achtstundentag durchgesetzt und die Arbeiterkammer ins Leben gerufen hat, erinnerte Bürgermeister Michael Häupl heute, Montag, bei der Enthüllung der Tafel.

"Hildegard Burjan war nicht nur eine hervorragende Sozialpolitikerin im Wiener Gemeinderat und im Parlament, sie war auch durch und durch Humanistin. Und das bereits zu ihren Lebzeiten in einem heute immer noch fortschrittlichen und unkonventionellen Sinn", so Häupl bei seiner Rede. Das Hospiz der von ihr gegründeten Caritas Socialis am Rennweg sowie ihre Seligsprechung im Wiener Stephansdom zeugten von Burjans Bedeutung für Wien und Österreich.

Die Gedenktafel geht auf eine Initiative von ÖVP-Wien-Gemeinderätin Gurdun Kugler zurück. Kugler war ebenso wie ÖVP-Klubobmann Manfred Juraczka, Gemeinderätin Ingrid Korosec und Weihbischof Franz Scharl bei der Enthüllung der Tafel zugegen.

Über Hildegard Burjan

Hildegard Burjan wurde 1883 in Görlitz (Preußisch-Schlesien) als zweite Tochter einer jüdisch-liberalen Familie geboren. Nach dem Studium der Philosophie in Zürich zog sie nach Wien und konvertierte zum Christentum. Vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs gründete sie den Verein der christlichen Heimarbeiterinnen, der sich für gerechte Entlohnung einsetzte. Während des Krieges engagierte sie sich bei zahlreichen Hilfsprojekten. 1918 zog Burjan in den Wiener Gemeinderat ein und hatte ab 1919 ein Mandat für die Christlich Soziale Partei im Parlament inne. Im selben Jahr gründete sie die Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis. Burjan starb 1933 im Alter von 50 Jahren. Im Jahr 2012 wurde sie im Stephansdom von Kardinal Angelo Amato seliggesprochen.