Wohnbaustadtrat Michael Ludwig: Die neuen Wiener Sanierungszielgebiete

11.01.2017

Die letzte Festlegung der Zielgebiete erfolgte 2006. Nun wurden die neuen "Sanierungs-Hotspots" definiert, die ab heuer gültig sind.

"Sanierungszielgebiete stehen für die Marschrichtung, in die es im Wesentlichen im Stadtraum geht. Dieser Plan weicht heute signifikant von jenen vor 25 oder auch 10 Jahren ab. Denn nach Jahrzehnten, in denen mittels sanfter Stadterneuerung Wohngebäude mit rund 337.000 Wohnungen sowie ganze Grätzel aufgewertet wurden, richtet sich der Fokus immer stärker auf kleinere Gebiete'", erklärte der Wiener Wohnbaustadtrat.

Plus an kleineren Gebieten; attraktive zusätzliche Förderungen

Dem Bevölkerungswachstum Wiens wird einerseits im geförderten Wohnungsneubau durch die Wohnbau-Offensive Rechnung getragen, andererseits werden bestehende Nutzflächenreserven in der gebauten Stadt aktiviert. Die geförderte Wohnhaussanierung leistet hier einen aktiven Beitrag, so wurden durch Dachgeschoßausbauten sowie Zubauten allein im Jahr 2016 rund 400 neue Wohnungen geschaffen.

Die Festlegung der Sanierungszielgebiete erfolgt auf Basis der verfügbaren statistischen Auswertungen zum Gebäude- und Wohnungsbestand, aber auch nach Kriterien der sozialen Treffsicherheit. "Die aktuelle Datenlage zeigt", erläuterte Ludwig, "dass Wien in den vergangenen 10 Jahren im Rahmen der sanften Stadterneuerung erneut einen Quantensprung gemacht hat: Vormals noch flächigere Sanierungszielgebiete können daher heute immer mehr ,auf den Punkt gebracht und weitgehend bereits auf mehrere Häuserblöcke und kleinere Viertel konzentriert werden." Ab heuer stünden deshalb auch viele kleinere Gebiete in 18 Wiener Bezirken im Zentrum der Anstrengungen. Größere, zusammenhängende Gebiete gäbe es etwa noch im Bereich des Stuwerviertels im 2. Bezirk, der Davidgasse im 10. Bezirk, der Oberen Mariahilferstraße im 15. Bezirk, der Klosterneuburger Straße im 20. Bezirk oder der Brünnerstraße im 21. Bezirk. "Dieses maßgeschneiderte Stadterneuerungsprogramm wird mit zusätzlichen Fördermöglichkeiten unterstützt", wie Ludwig betonte: "Dazu zählen vor allem höhere Förderungen für die Schaffung von neuem und leistbarem Wohnraum in Form von Zubauten und Dachgeschossausbauten. Totalsanierungen mit Neubauten werden ausschließlich in Sanierungszielgebieten gefördert. Darüber hinaus werden alle Projekte in diesen Gebieten vorgereiht und können damit rascher realisiert werden."

"Selbstverständlich werden weiterhin auch außerhalb dieser Gebiete Sanierungsprojekte gefördert. Mit den erfahrenen Expertinnen und Experten des wohnfonds_wien steht interessierten Hausbesitzerinnen und -besitzern ein kompetentes und sehr erfahrenes Team zur Seite, das umfassend berät, unterstützt und begleitet. Denn keine Sanierung ist gleich. Ganz besonders bei anspruchsvollen historischen Wohngebäuden leistet der wohnfonds_wien in Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt sowie dem Altstadterhaltungsfonds einen unverzichtbaren Beitrag für ein erfolgreiches Gelingen", unterstrich der Wiener Wohnbaustadtrat.

Keine Förderung ohne soziale Gegenleistung für die BewohnerInnen

"Die Stadt bietet privaten Hauseigentümerinnen und -eigentümern interessante finanzielle Anreize. Es ist jedoch klar, dass die Stadt im Gegenzug für die Unterstützung und damit verbundene Wertsteigerung der Immobile auch etwas verlangt. Von der Erfüllung wichtiger Qualitätskriterien und der Einhaltung von sozial verträglichen Mietobergrenzen während der meist 15-jährigen Dauer der Sanierungsförderung werde ich keinesfalls abrücken", so Ludwig abschließend in Richtung jener, die eine sofortige "freie Hand" bei der Gestaltung der Mieten fordern.

Sanierungszielgebiete in 18 Wiener Bezirken

Die künftigen Sanierungszielgebiete sehen im Wesentlichen zusammenhängende Flächen entlang des Westgürtels (15. und 16. Bezirk), im 10. Bezirk zwischen Favoritenstraße und Laxenburger Straße, im 20. Bezirk im Bereich der Klosterneuburger Straße und der Salzachstraße sowie im 2. Bezirk im Stuwerviertel vor. Im 1., 6., 8., 9. und 13. Bezirk befinden sich keine Sanierungszielgebiete mehr.

Im Folgenden ein Überblick:

  • 2. Bezirk: Hier gibt es weiterhin mehrere Baublöcke im Stuwerviertel, entlang der Darwingasse, sowie am Donaukanal zwischen Taborstraße und Lilienbrunngasse.
  • 3. Bezirk: Es gibt nur mehr 2 Zielgebiete entlang des Landstraßer Gürtels bzw. der Landstraßer Hauptstraße.
  • 4. Bezirk: Hier ist 1 Gebiet als Sanierungszielgebiet ausgewiesen, und zwar entlang der Favoritenstraße.
  • 5. Bezirk: Künftig gibt es 2 Sanierungszielgebiete. Eines befindet sich entlang der Wiedner Hauptstraße/Reinprechtsdorfer Straße, das andere Gebiet liegt ebenfalls an der Reinprechtsdorfer Straße zwischen Arbeitergasse und Brandmayergasse.
  • 7. Bezirk: 1 Baublock entlang des Neubaugürtels ist als Zielgebiet ausgewiesen.
  • 10. Bezirk: Hier liegen noch größere zusammenhängende Zielgebietsflächen, zwischen der Favoritenstraße und der Laxenburger Straße, entlang der Quellenstraße, sowie noch einige Baublöcke entlang der Triester Straße/Grenzackerstraße
  • 11. Bezirk: Nur mehr wenige Zielgebietsflächen, die sich im Wesentlichen im Bereich der Simmeringer Hauptstraße abbilden.
  • 12. Bezirk: 1 Gebiet entlang des Margaretengürtels, sowie weitere einzelne Gebiete im Bereich der Niederhofstraße, der Oswaldgasse und der Altmannsdorfer Straße.
  • 14. Bezirk: Hier wird es weiterhin 2 Sanierungszielgebiete geben, beide im Bereich der Hütteldorfer Straße.
  • 15. Bezirk: Ein Schwerpunktgebiet, in dem es beim Westbahnhof - sowohl nördlich als auch südlich davon - weiterhin Sanierungszielgebiete gibt.
  • 16. Bezirk: Ebenfalls ein Schwerpunktgebiet. V.a. entlang des Gürtels und entlang der Thaliastraße bzw. Ottakringer Straße liegen zusammenhängende Sanierungszielgebiete.
  • 17. Bezirk: Nur mehr 2 Gebiete entlang der Rosensteingasse und am Hernalser Gürtel.
  • 18. Bezirk: Es gibt nur mehr 1 Sanierungszielgebiet im Bereich des Währinger Gürtels.
  • 19. Bezirk: Noch 3 Gebiete sind als Sanierungszielgebiet ausgewiesen.
  • 20. Bezirk: Hier befinden sich noch etwas größere zusammenhängende Sanierungszielgebiete im Bereich der Klosterneuburger Straße und der Salzachstraße.
  • 21. Bezirk: Sanierungszielgebiete befinden sich im Bereich der Brünner Straße beim Floridsdorfer Spitz bis zur Werndlgasse.
  • 22. Bezirk: 1 Sanierungszielgebiet entlang der Erzherzog-Karl Straße an der Ecke zur Donaustadtstraße.
  • 23. Bezirk: Nur mehr kleinere Zielgebiete im Bereich der Draschestraße und entlang der Triester Straße.

Eine detaillierte Adressabfrage ist auf der Website des wohnfonds_wien unter http://www.wohnfonds.wien.at/articles/nav/112 möglich.

Gültigkeit seit 1. Januar 2017

Die sanfte Stadterneuerung ist Teil der strategischen Ausrichtung gemäß den dafür erstellten Stadtentwicklungsplänen. Die Festlegung von Sanierungszielgebieten erfolgt in enger Abstimmung mit den fachlich zuständlichen Dienststellen der Stadt Wien im Rahmen der vom wohnfonds_wien koordinierten Arbeitssitzungen.

244 Wohnhäuser aktuell in geförderter Sanierung

Seit Gründung des wohnfonds_wien 1984 wurden rund 7.200 Wohnhäuser mit 336.440 Wohneinheiten einer Sanierungsförderung zugeführt. Dabei wurden rund € 7,65 Milliarden Gesamtbaukosten verbaut. Die Förderung des Landes Wien beträgt € 5,22 Milliarden in Form von Landesdarlehen, Einmalzuschüssen und Annuitätenzuschüssen.

Mit Ende 2016 befinden sich 244 Wohngebäude mit 15.000 Wohneinheiten in Sanierung, mit Gesamtbaukosten von € 611 Millionen und Fördermitteln im Umfang von € 363 Millionen (nicht rückzahlbare Landeszuschüsse: € 244 Millionen; Landesdarlehen: € 119 Millionen).

Zur Verbesserung des Umwelt- und Klimaschutzes werden jährlich durch geförderte Wohnhaussanierung ca. 1.100 Gigawattstunden an Treibhausgasemissionen eingespart. Weiters wird der CO2-Ausstoß um jährlich rund 361.300 Tonnen reduziert. Der Anteil von Substandardwohnungen konnte von noch 42 % in den 1970er Jahren auf aktuell rund 3 % gesenkt werden.

Dem Bevölkerungswachstum Wiens wird einerseits im geförderten Wohnungsneubau durch die Wohnbau-Offensive Rechnung getragen, andererseits werden bestehende Nutzflächenreserven in der gebauten Stadt aktiviert. Die geförderte Wohnhaussanierung leistet hier einen aktiven Beitrag, so wurden durch Dachgeschoßausbauten sowie Zubauten allein im Jahr 2016 rund 400 neue Wohnungen geschaffen.