90 Prozent der FH-Betroffenen ohne Behandlung

24.09.2020
 	 Prof. Dr. Kurt Widhalm © Kurt Widhalm
Prof. Dr. Kurt Widhalm © Kurt Widhalm

Weltweit wird der 24. September als Tag der Familiären Hypercholesterinämie (FH)begangen. Mindestens 90 Prozent der Erkrankten an dieser häufigen Stoffwechselerkrankung werden nicht behandelt.

 Die Familiäre Hypercholesterinämie (FH) ist eine häufige Stoffwechselerkrankung (1:250), die zu 50 Prozent vererbt wird, und die unbehandelt zu frühzeitigem Herzinfarkt, Schlaganfall etc. führt. Nach Schätzungen werden weltweit mindestens 90 Prozent der Erkrankungen nicht erkannt und behandelt, informieren die österreichische Patientenorganisation FHchol Austria und das ÖAIE.

Frühe Diagnostik wichtig

"Durch eine frühe Diagnostik der FH, am besten schon im Kindesalter vor dem zehnten Lebensjahr, können viele Herz- und Gefäßerkrankungen durch eine moderne Behandlung verhindert werden", informiert Univ. Prof. Dr. Kurt Widhalm, Kinderfacharzt und Präsident des Österreichischen Akademischen Instituts für Ernährungsmedizin (ÖAIE). "Vor allem Familien, in denen Herzinfarkte oder Gefäßerkrankungen, die etwa einen Stent notwendig machten und in jüngeren Jahren vor dem 65. Lebensjahr aufgetreten sind, sollten auf das mögliche Vorliegen einer FH untersucht werden", sagt Widhalm.

Frühe Behandlungen im Kindesalter sind nachweislich in der Lage, die Entstehung der atherosklerotischen Veränderungen, die die Grundlage für Herzerkrankungen darstellen, hintanzuhalten bzw. zu verhindern. Cholesterinwerte von über 220 mg/dl bei Erwachsenen bzw. 200 mg/dl bei Kindern sind verdächtig und sollten Anlass zu einer weiteren Abklärung sein. Auch Gen-Untersuchungen können heute bei der Diagnostik behilflich sein.

Die Behandlung besteht in einer fettarmen und gemüse- und obstreichen Ernährung. Wirksame Medikamente, wie Statine oder neue injizierbare Hemmer des Cholesterin-Stoffwechsels stehen heute ebenfalls zur Verfügung. Damit können mit hoher Wahrscheinlichkeit das Auftreten der Herzerkrankungen vermieden oder deutlich hinausgeschoben werden. "Für die Behandlung gilt der Grundsatz: je früher, desto wirksamer. Voraussetzung ist natürlich, dass man die Familien, in denen Herzerkrankungen aufgetreten sind, erfasst und die Diagnose FH rechtzeitig stellt", betont Widhalm.

In Österreich setzt sich die Patientenorganisation FHchol Austria für die Verbreitung des Wissens um die Bedeutung der Früherkennung dieser gut behandelbaren Erkrankung ein. Weitere Informationen unter: www.www.fhchol.at

Das Österreichische Akademische Institut für Ernährungsmedizin gibt gerne Ratschläge für eine konkrete Diagnostik und Therapie.

Die europäische Organisation für Familiäre Hypercholesterinämie (FH-Europe, www.fheurope.org) und Patientenorganisationen vieler Länder weisen am 24. September mit verschiedensten Aktivitäten auf FH hin.

Werbung