(Video) AKW Mochovce: Drohnen Beweis zeigt grobe Sicherheitsmängel

25.02.2019

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Die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 konnte gestern mit einer Drohne ungehindert den Luftraum über der slowakischen Botschaft in Wien überfliegen und veröffentlicht heute Videomaterial von der Aktion, welche symbolisch für die Unsicherheit des AKWs Mochovce steht. "Wir haben uns bewusst dagegen entschieden, mit der Drohne über das slowakische Atomkraftwerk Mochovce zu fliegen, auch wenn dies genauso einfach möglich gewesen wäre", erklärt Reinhard Uhrig, Atom-Sprecher von GLOBAL 2000. "Mehrere Aktionen von Umweltschützern über französischen Atomanlagen haben gezeigt, dass sie auch mit mehreren großen Drohnen und Gleitschirmen über den Kernbereich der Atomkraftwerke vordringen konnten, die aber anders als Mochovce weniger schlecht gegen Angriffe aus der Luft gesichert sind." In der Nähe des slowakischen Atomkraftwerks verlaufen mehrere Flugrouten. "Die Inbetriebnahme von Mochovce 3 versetzt uns in Alarmbereitschaft, der Hochrisikoreaktor ist bei einem Verkehrsflugzeug-Absturz nicht ausreichend gesichert."

Der dritte Reaktor in Mochovce soll bereits im Juli 2019 in Betrieb gehen. Das Kraftwerksdesign aus den 1970er-Jahren ist maximal auf den Aufprall eines kleinen (Sport-)Flugzeugs ausgelegt. "Wir sehen keine Gründe, warum in der Slowakei das Risiko eines absichtlichen oder zufälligen Aufpralls eines großen Verkehrsflugzeugs geringer sein sollte als in anderen Regionen der Welt", sagt Uhrig. So sieht die tschechische Gesetzgebung den 'Sicherheitsnachweis gegen eine unrechtmäßige Verwendung eines Verkehrsflugzeugs' vor (Verordnung Nr. 361/2016). Die slowakische Atomaufsicht UJD betonte zwar im Gespräch mit GLOBAL 2000, dass im Ernstfall "adäquate Maßnahmen", sprich militärische Verteidigung des Atomkraftwerks durchgeführt würden, deren Details aber aufgrund der Terrorgefahr geheim seien. Wie auf gängigen Internetseiten ersichtlich, sind aber direkte Vorbeiflüge von Verkehrsflugzeugen am Atomkraftwerk Mochovce üblich, die Reaktionszeit also nicht ausreichend für militärische Einsätze*.

"Die Sicherheit der veralteten Generation-II-Reaktoren in Mochovce gegen absichtliche oder unabsichtliche Flugzeugabstürze ist eindeutig nicht gegeben, auch nur die theoretische Schützbarkeit fragwürdig. Im 21. Jahrhundert ist die Inbetriebnahme eines weiteren Uralt-Reaktors ohne ausreichendes Sicherheitskonzept, das dem Stand der Technik entspricht, vollkommen inakzeptabel", betont Uhrig. "Wir fordern Kanzler Kurz auf, sich im Sinne von allen ÖsterreicherInnen bei seinen slowakischen Kollegen gegen die Inbetriebnahme des Hochrisikoreaktors, nur 150 Kilometer von Wien entfernt, einzusetzen."