Alte Donau: Stadt Wien stellt Mähmanagement auf völlig neue Beine

18.04.2018

Nach erfolgreichem Pilotprojekt im Vorjahr heuer: Großflächige Tiefenmahd mit kleinen, wendigen Booten

Auf völlig neue Beine stellt die Stadt Wien heuer die Makrophyten-Mahd in der Alten Donau. Das Wachstum der für die so gute Wasserqualität notwendigen Wasserpflanzen hat in den letzten Jahren stark zugenommen und daher mussten die Maßnahmen optimiert werden. Der im Vorjahr erfolgreich durchgeführte Pilotversuch mit kleinen, wendigen Booten, die mit "Greifarmen" 2,50 m unter der Wasseroberfläche mähen, wird heuer großflächig umgesetzt.

"Die Qualität des Wassers an der Alten Donau ist mit jener der schönsten Badeseen Österreichs vergleichbar. Das ist kein Zufall, sondern konsequente Arbeit eines ausgeklügelten Pflege- und Mähmanagements der Stadt Wien, das wir nun weiterentwickelt haben. Für die Saison 2018 haben wir - aufbauend aus den positiven Erfahrungen vom Vorjahr - daher ein umfassendes Paket an neuen Maßnahmen geschnürt", erläutert Umweltstadträtin Ulli Sima. Zentral dabei ist der großflächige Einsatz völlig neuer, kleiner, wendiger Boote und die bereits Anfang April gestartete Tiefenmahd in der Uferzone.

Die Maßnahmen im Überblick:

- Gemäht wird heuer nicht mehr mit großen Mähbooten, sondern mit kleinen, sehr wendigen "Amphibienbooten" - es sind jeweils ein Mähboot und ein Sammelboot als eine gemeinsame Einheit unterwegs:
- Die Stadt mäht mit 2 Mähbooten und zwei Sammelbooten in der Oberen Alten Donau, in der Unteren Alten Donau übernimmt ein Vertragspartner der Stadt die Mäharbeiten
- Insgesamt sind während der Saison 8 Boote im Einsatz
- Mähboote sind mit 4 m langen Mäharmen ausgestattet
- Gesammelt wird das Mähgut mit neuen Sammelbooten mit 2,5 m langen Greifarmen
- Sammeln des Mähguts viel effizienter als bisher
- Die Boote können GPS gesteuert in überlappenden Bahnen mähen
- Dies ergibt durchgehend freigemähte Flächen
- Genaue Zonierung: prioritär wird entlang der Uferzonen gemäht, dort wo die Badegäste und Bootsfahrer unterwegs sind

- Tiefenmahd von Anfang bis Ende April: Auf einem bis zu 100 Meter breiten Streifen entlang des gesamten linken Ufers erfolgt bereits seit Anfang April eine sogenannte Tiefenmahd, bei der Pflanzen knapp über dem Gewässergrund, also bei 2,5 m, geschnitten werden.
- Im Vorjahr war mit dem Pilotprojekt Tiefenmahd rund 10 Wochen kein Mähvorgang mehr nötig!
- Nach Abschluss dieser Tiefenmahd entlang der Ufer ab Mai regulärer Mähbetrieb

- Pflanzen-Rodungen mit Schleppsensen: Bereits im Herbst 2017 wurden in ausgewählten Bereichen der Oberen und Unteren Alten Donau nach der Tiefenmahd die Pflanzenreste mit Schleppsensen gerodet. Dies erfolgte insgesamt auf einer Fläche von rund 10 % der Alten Donau im Bereich zwischen U-Bahn-Brücke und Gänsehäufel

- Rodungen mit TaucherInnen: Erstmalig erfolgt nun am 28. April eine "Mähaktion" mit TaucherInnen, die im Bereich des ArbeiterInnenstrands händisch "mähen"

- Niederwüchsige Characeen-Arten sollen langfristig den Platz der hochwüchsigen Arten einnehmen.

- In wenig genutzten ufernahen Zonen wurden in den letzten Jahren mehrere Schonzonen geschaffen, in denen die Unterwasserpflanzen nicht gemäht werden. Dies dient als Ausgleich zu den intensiven Mäharbeiten.

- Kostenloser Verleih von Mähbalken- sogenannten Geerbalken - an ansässige Betriebe und Vereine für Mäharbeiten zwischen Steganlagen.

Zur Ausgangslage: Starkes Wachstum der Wasserpflanzen

Die Unterwasserpflanzen, die aquatischen Makrophyten, sind für die ausgezeichnete Wasserqualität in der Alten Donau unbedingt notwendig. Sie wirken als biologischer Filter, der Nährstoffe bindet und damit einer Trübung vorbeugt. Damit sorgen sie - im Unterschied zu Planktonalgen - für die klare Sicht in der Alten Donau. In den vergangenen drei Jahren haben sich die Unterwasserpflanzen in der Alten Donau stark vermehrt.

Während in den Jahren 2009 bis 2013 ein starker Wachstumsrückgang beobachtet werden konnte, haben sich die Unterwasserpflanzen seit 2014 massiv vermehrt. Im Jahr 2013 betrug die Entnahmemenge rund 72 Tonnen, im Jahr 2016 war sie bereits auf das 30-fache (2.100 Tonnen) angestiegen und 2017 betrug sie rund 2.800 Tonnen.

Beeinflusst wird das Pflanzenwachstum von der Nährstoffverfügbarkeit, der Temperatur und den Lichtverhältnissen. Die genauen Ursachen für die Schwankungen sind aber bis dato noch nicht eindeutig geklärt, wenngleich ein Zusammenhang mit heißen Sommern vermutet wird.

Die Maßnahmen 2018 im Detail:

Stadt Wien mäht mit neuen Amphibienmähbooten

Die Stadt Wien mäht mit zwei Mähbooten und zwei Sammelbooten in der Oberen Alten Donau, in der Unteren Alten Donau übernimmt ein Vertragspartner der Stadt die Mäharbeiten. Insgesamt sind 8 Boote im Einsatz. Es handelt sich dabei um kleinere, aber sehr effiziente Amphibienmähboote. Diese Boote mähen bis zu 2,5 m tief, sind schneller und können auch in schwerer zugänglichen Bereichen mähen.

Neue Maßnahme: Tiefenmahd nach Pilotprojekt ausgeweitet

Anfang April 2018 haben die neuen Amphibienmähboote an der gesamten Alten Donau ihren Mähbetrieb aufgenommen. Das Besondere: Auf einem bis zu 100 Meter breiten Streifen entlang des gesamten linken Ufers der Oberen und der Unteren Alten Donau erfolgt eine sogenannte Tiefenmahd - eine derartige wurde bereits im Vorjahr als Pilotprojekt erfolgreich getestet: dabei konnten die Unterwasserpflanzen so stark gekürzt werden, dass das schnelle Nachwachsen verzögert werden kann. Dabei werden die Pflanzen in einer Tiefe von ca. 2,5 Meter, also knapp über dem Gewässergrund, geschnitten. Mit einer Tiefenmahd kann ein Zeitpuffer zwischen den in einer Saison mehrmals nötigen Mähdurchgängen gewonnen werden. Rund 10 Wochen war kein Mähdurchgang in diesen Gebieten nötig. Die Tiefenmahd soll mit Ende April 2018 abgeschlossen sein. Dann erfolgen reguläre Mäharbeiten.

Reduktion der Biomasse durch Rodungen mit Schleppsensen

Im Herbst 2017 wurden in ausgewählten Bereichen der Oberen und Unteren Alten Donau nach der Tiefenmahd die Pflanzenreste mit Schleppsensen gerodet. Dies erfolgte insgesamt auf einer Fläche von rund 10 % der Alten Donau und diente als Vorbereitung für die Sommersaison 2018.

Schnittgut wird zu Bio-Kompost

Die neuen Mähboote werden sowohl für die Mahd als auch für das Einsammeln des Schnittguts eingesetzt, sie sind je nach unterschiedlichem "Aufsatz" für beide Arbeiten verwendbar. Begleitet werden sie von Motorbooten, die das Schnittgut an dafür vorgesehenen Sammelstellen am Ufer abladen. Von dort wird es abgeholt und zum Kompostwerk Lobau gebracht, wo es zu Bio-Kompost verarbeitet wird und als "Guter Grund" bei den Wiener Mistplätzen erhältlich ist.

Neue Unterwasserpflanzen-Arten für die Alte Donau

Niederwüchsige Characeen-Arten sollen langfristig den Platz der hochwüchsigen Arten einnehmen. Sie erzielen die gleiche positive ökologische Wirkung auf die Wasserqualität, der Aufwand für die Mäharbeiten könnte aber deutlich reduziert werden. Damit die Characeen sich wieder langfristig in der Alten Donau durchsetzen können, braucht es große stabile Bewuchsflächen.

2017 erfolgte im Auftrag der MA 45 eine Bepflanzung des Gewässergrundes bei der Strombucht an der Unteren Alten Donau. Diese Maßnahme war auch Teil des heuer im März abgeschlossenen EU-Projekts LIFE+ Alte Donau. Vor der Bepflanzung der 2,8 ha großen Fläche wurden eine Tiefenmahd und Rodungen des alten Pflanzenbestands durchgeführt. Die Characeen brauchen rund drei Jahre, um sich zu festigen. Solange bleibt auch das Trennnetz bestehen, um das Areal vor pflanzenfressenden Fischen zu schützen. Die Freizeitnutzung dieses Areals ist aber uneingeschränkt möglich. Ab dem Frühjahr 2018 wird die Fläche mit weiteren neuen Jungpflanzen bestückt.

Neue mähfreie Schonzonen

In wenig genutzten ufernahen Zonen wurden in den letzten Jahren mehrere Schonzonen geschaffen, in denen die Unterwasserpflanzen nicht gemäht werden. Mähfreie Schonzonen sind als Ausgleich für die stark gemähten Flächen wichtig, denn der Bestand der für die Wasserqualität so wichtigen Unterwasserpflanzen ist überaus sensibel und bedarf stellenweise auch der Schonung vor menschlichen Eingriffen. Diese Bereiche dienen zudem den Fischen als ungestörte Laichplätze und Rückzugsgebiete.

Die mähfreien Zonen werden 2018 ausgeweitet. Geplant sind neue Schonzonen an der Unteren Alten Donau nördlich und südlich vom Gänsehäufel, im mittleren Bereich des Kaiserwassers und an der der Oberen Alten Donau östlich vom Birnersteig.

Informationen zu Wasserqualität und Mähmanagement: www.wien.gv.at/umwelt/gewaesser/alte-donau/wasserqualitaet/

Informationen zum EU-Projekt LIFE+ Alte Donau: www.life-altedonau.wien.at