Der Fall Karl Horvath. Ein Loipersdorfer „Zigeuner“ vor dem Linzer Volksgericht

25.02.2019

Buchpräsentationen am 4. März 2019 / 18.30 Uhr / Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands,                                                                                                     Am 15. März 2019 / 18.00 Uhr / Kultursaal, Loipersdorf, Burgenland
Der Journalist und Buchautor Wolfgang Freitag hat sich in seinem jüngsten Werk, erschienen im Mandelbaum Verlag, einem noch wenig aufgearbeiteten Kapitel der österreichischen Nachkriegsgeschichte gewidmet.
Das Schicksal des aus Loipersdorf, Burgenland, gebürtigen Rom Karl Horvath reflektiert nicht nur viele der Verwerfungen in den ersten Jahrzehnten nach dem Untergang der Habsburgermonarchie. Auch die Kontinuität der Verfolgung und Kriminalisierung, der die Volksgruppe der Roma in jenen Tagen ausgesetzt war - und nach wie vor heute ausgesetzt ist - wird anhand der Lebensgeschichte von Horvath manifest: 1939 als "Asozialer" nach Dachau deportiert, 1945 aus dem KZ Mauthausen/ Gusen befreit, 1946 als vermeintlicher Kriegsverbrecher angeklagt, 1948 vom Linzer Volksgericht verurteilt, 1952 in einer Wiederaufnahme des Verfahrens freigesprochen, doch gezeichnet für den Rest seines - kurzen - Lebens.
Horvaths Kampf um Rehabilitierung, sein anschließendes Ringen um Entschädigung wie die Erinnerungen an ihn in einer Familie, in der er nach seinem Freispruch und bis zu seinem Tod 1971 Aufnahme fand, vervollständigen ein Lebensbild, das singuläre Einblicke in die Welt der unmittelbaren Nachkriegsjahre bietet und gleichzeitig paradigmatisch für Österreichs 20. Jahrhundert stehen kann.
Wolfgang Freitag: Der Fall Karl Horvath. Ein Loipersdorfer "Zigeuner" vor dem Linzer Volksgericht. Mandelbaum Verlag, Wien 15.00 €, 128 Seiten, Format: 13,5x21, englische Broschur ISBN: 978385476-575-2
"Freitag dekonstruiert das Aktenkundige, spielt in ironischer Distanz mit dem jeweils spezifischen bürokratischen Blick, der sich in diesen Akten spiegelt, und ergänzt es schließlich um jeweilige Recherchen vor Ort. Das Ergebnis ist mehr als die Rekonstruktion des 'Falles Karl Horvath' - es ist ein kaleidoskopartiges Stimmungsbild der österreichischen Nachkriegsgesellschaft, das von den langen und kurzen Wellen der Verfolgung der burgenländischen 'Zigeuner' und dem diskursiv in Österreich lange Zeit verbannten Mauthausen-Zwillingslager Gusen, von den Displaced Persons im eben erst befreiten Oberösterreich und vom Umgang Österreichs mit seinen NS-Opfern erzählt." Andreas Kranebitter, Leiter der Forschungsstelle der KZ-Gedenkstätte Mauthausen