Gedenken an den 12. März 1938 in Aspern Noch vor dem "Anschluss" kam Himmler

15.03.2018

Am 12. März 1938 kurz vor 5 Uhr landete der Reichsführer SS, Heinrich Himmler am damaligen Flugfeld Aspern (wo sich heute die Seestadt befindet) mit etwa 50 seiner engsten Mitarbeiter, darunter der Chef der Sicherheitspolizei, Reinhard Heydrich, um in einer ersten Verhaftungswelle die ohnehin schon stark nationalsozialistisch unterwanderte österreichische Polizei zu "säubern" und gleichzuschalten. Daher organisierte die überparteiliche Gedenkplattform Transdanubien heuer am ehemaligen Flugfeld ihre 7. Gedenkveranstaltung.

Beim Treffpunkt an der U-Bahn-Endstation fanden sich etwa 70-80 Personen ein, darunter der Donaustädter Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy und die stellvertretende Bezirksvorsteherin Ilse Fitzbauer aus Floridsdorf, zahlreiche Vertreterinnen von SPÖ, Grünen, Neos, KPÖ und der Zivilgesellschaft. Nach dem kurzen Weg zum Gedenkwald sprach Gerhard Jordan zur Entstehung und den bisherigen Aktivitäten der Plattform. Heidi Sequenz bot einen Überblick über die Geschichte des Mahnmals: 1987 wurde von Schülerlnnen im Andenken an die 65.000 Wiener jüdischen Opfer der Shoah jeweils ein Baum für jedes Opfer gepflanzt. 1988 wurde ein Gedenkstein in Erinnerung an die Ermordeten errichtet. 2015 stellten die Donaustädter Grünen einen Antrag auf Errichtung eines Denkmals für die ZwangsarbeiterInnen, die beim Ausbau des Flughafens im zweiten Weltkrieg hier eingesetzt wurden. 2017 wurden schließlich zwei Gedenkstege errichtet, in die 18 schmale Metalltafeln eingelassen sind, in die die Geschichte des Flugfeldes und der nationalsozialistischen Gewalt eingraviert ist. Daran anschließend erzählte Andreas Konecny von der Baugruppe Que[e]rbau die dramatische Fluchtgeschichte der Familie Rothschild, die von den Nazis beraubt und auseinander gerissen wurde.

Nach einem kurzen gemeinsamen Fußweg versammelte sich die TeilnehmerInnen im "Yella Yella! Nachbar_innentreff" der Baugruppe Que[e]rbau. Dort sprach der Historiker Heinz Berger über die Geschichte des Flugfeldes und Querbezüge zur NS-Gewaltherrschaft, untermalt von einigen historischen Fotos und einem historischen Film. Bernhard Gaishofer stellte mit seinen Ausführungen zur FPÖ-Ablehnung von Straßenbezeichnungen nach NS-Opfern und über den Donaustädter Burschenschafter Martin Graf im NR den Bezug zur Gegenwart wieder her. Abschließend präsentierte Frau Hilde Grammel die aktuelle Ausstellung über die Frauenrechtlerin und Friedenskämpferin Yella Hertzka (1873-1948) im Lokal und erzählte über ihr Leben und ihren Weg ins Exil im Jahr 1939. Nach ihr ist der angrenzende Park im Westen der "Seestadt" benannt.