Internationale Bauausstellung Wien 2022 verabschiedet sich – was bleibt?

27.12.2022
Auch das niederländische Königspaar Willem-Alexander und Maxima informierte sich im Sonnwendviertel bei Vizebürgermeisterin Kathrin Gaal über die Erkenntnisse der IBA. © PID/VOTAVA
Auch das niederländische Königspaar Willem-Alexander und Maxima informierte sich im Sonnwendviertel bei Vizebürgermeisterin Kathrin Gaal über die Erkenntnisse der IBA. © PID/VOTAVA

Am 31. Dezember 2022 endet nach fast sieben Jahren die IBA_Wien 2022, die Internationale Bauausstellung Wien. Die IBA_Wien zum Thema "Neues soziales Wohnen" beeindruckte mit einer Fülle an innovativen Projekten, die das Wohnen in unserer Stadt nachhaltig positiv prägen.

Mit der IBA_Wien 2022 wurde 2016 erstmals in Wien eine Internationale Bauausstellung ins Leben gerufen, mit dem Ziel das soziale Wohnen zukunftsfit zu machen und wegweisende Lösungsvorschläge und Zugänge zu den Herausforderungen unserer Zeit zu finden. In der fast siebenjährigen Laufzeit wurden insgesamt mehr als 100 innovative Projekte gemeinsam mit über 400 Partnerorganisationen aus den unterschiedlichen Disziplinen entwickelt.

Schlusspräsentation "Wie wohnen wir morgen?"

Während der Schlusspräsentation konnten sich rund fünf Monate lang zahlreiche Besucher*innen aus dem In- und Ausland bei der Ausstellung "Wie wohnen wir morgen?" und dem begleitenden Programm mit über 400 Veranstaltungen und Projektführungen einen konkreten Eindruck über diese Ergebnisse verschaffen. Noch nie wurde ein so umfassender Überblick zum Thema Wohnen für alle Zielgruppen, von Jung bis Alt, dargestellt - von der Geschichte des sozialen Wohnbaus bis hin zu den aktuellen Entwicklungen und brennenden Themen wie Leistbarkeit, neue Wohnformen oder Reaktion auf den Klimawandel.

"Durch die IBA_Wien ist die Zukunft des sozialen Wohnbaus bereits in Wien angekommen. Die Erkenntnisse inspirieren das Wohnen von morgen. Ich bedanke mich beim gesamten Team, das es möglich gemacht hat, den sozialen Wohnbau neu zu denken. Die Schlusspräsentation mit ihren Veranstaltungen war insofern etwas Besonderes, als es wohl kaum vergleichbare Ausstellungen gibt, deren Inhalte das unmittelbare Lebensumfeld der Menschen im gesamten Stadtgebiet so direkt beeinflussen, wie das bei der IBA_Wien der Fall war. Wien ist Vorreiterin beim Thema des sozialen Wohnens, und dieses international renommierte Wiener Wohnbaumodell ist nicht zuletzt durch die IBA_Wien fit gemacht worden für die Zukunft", sagt die Vizebürgermeisterin und Präsidentin der IBA_Wien, Kathrin Gaál.

Was bleibt nun?

Die Ausstellungspforten sind schon geschlossen, mit 31. Dezember 2022 endet die Internationale Bauausstellung Wien auch formal - und was bleibt? Es bleiben über 100 innovative und zukunftsweisende Projekte, die sich in 9 Wohnquartieren und 15 Einzelprojekten wiederspiegeln. Neben den fertiggestellten Projekten, die bereits bewohnt sind und die man natürlich auch weiterhin besichtigen und erleben kann, sind aber vor allem zahlreiche nachhaltige Entwicklungen in die Wege geleitet worden, die auf die Kommunikation und den Erfahrungsaustausch zwischen den handelnden Hauptakteur*innen abzielten. Das sind Bauträger, Architekturschaffende, Planende und andere Fachleute sowie natürlich die öffentlichen und privaten Institutionen, die sich professionell mit dem Thema Wohnen befassen. Die dadurch optimierten Prozesse, die Etablierung von neuen Formaten, der Aufbau von Netzwerken und die Zusammenführung von Parallelstrukturen sind durch die enge und erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Partnerinstitutionen in eine angewandte Praxis übergegangen und werden auch über die Zeit der IBA hinaus wirksam bleiben und ausgebaut werden.

Kurt Hofstetter, Koordinator der IBA_Wien, freut sich darüber: "Besonders schön finde ich, dass aus den Rückmeldungen der Beteiligten ganz klar herausgekommen ist, wie sehr sich die hohe Intensität beim ständigen Vernetzen und Zusammenbringen der verschiedenen Akteur*innen in einen Mehrwert übertragen hat, der nicht hauptsächlich ein finanzieller ist, sondern ein qualitativer. Wir können es uns einfach nicht mehr leisten, nebeneinander her zu arbeiten, auch wenn das der Großteil wirklich gut macht. Wir müssen viel stärker zusammenarbeiten und gemeinsam die Fehler der Vergangenheit sehr rasch korrigieren. Das sind wir uns als Gesellschaft schuldig."

IBA_Wien sind alle, die sich aktiv an ihr beteiligen

Neben den vielen Partner*innen haben sich auch viele weitere Menschen mit der IBA_Wien auf die eine oder andere Art, vor Ort oder digital beschäftigt. Da der Hauptteil der IBA_Wien genau in die Zeit der Pandemie gefallen ist, musste vor allem das digitale Kommunikationsangebot stark in den Mittelpunkt gerückt werden, mit erfreulichen Effekten: mehr als 200.000 verschiedene Nutzer*innen haben das Angebot der IBA-Website genutzt, die daher auch nach Abschluss der offiziellen Laufzeit als Archiv weiter bestehen bleiben wird. Auffällig ist dabei, dass neben einer Mehrheit von Nutzer*innen aus Österreich vor allem viele Menschen aus Deutschland und aus den USA vom Onlineangebot Gebrauch gemacht haben. Während Deutschland, das "Mutterland des IBA-Formats", nicht überrascht, ist es im Fall der USA vor allem der extreme Notstand im Bereich des Wohnens, der täglich mehr Menschen aus ihren Wohnungen in verschiedene Formen der Wohnungslosigkeit drängt. Mehrere hochrangig besetzte Delegationen aus Kalifornien, Hawaii, New York und Massachusetts haben daher die IBA_Wien besucht und mit großem Interesse Eindrücke mitgenommen, die nun vor Ort zu neuen Lösungen im Kampf gegen die Wohnungslosigkeit führen sollen. Darüber hinaus durfte die IBA eine Reihe weiterer hochkarätiger internationaler Delegationen - unter anderem angeführt durch das niederländische Königspaar oder dem Präsidenten der Republik Irland - begrüßen. Bei Führungen durch bereits existente IBA-Quartiere konnte dabei der ganzheitlich innovative Charakter der IBA_Wien im Sonnwendviertel bzw. in der Biotope-City direkt erlebt werden.

Mit fortschreitender Laufzeit und immer konkreteren Projekten hat auch zunehmend die interessierte Bevölkerung in Wien vom Informationsangebot Gebrauch gemacht. Insgesamt konnten trotz Pandemie mehr als 25.000 Besucher*innen die Angebote der IBA_Wien persönlich miterleben.

IBA_Wien-Ergebnisse auch in Zukunft zugänglich

Die Ergebnisse der IBA_Wien stehen nach Abschluss der IBA_Wien 2022 weiterhin auf der IBA-Website www.iba-wien.at zur Verfügung. Dies bietet auch nachträglich die Möglichkeit, sich mit den Projekten und Quartieren auseinanderzusetzen, die Prozesse nachzuempfinden oder auch die große Anzahl an Veranstaltungen aufzusuchen, viele davon wurden aufgezeichnet und können weiterhin angesehen werden. Studien, die begleitend zur IBA_Wien 2022 erstellt worden sind, sowie viele zentrale Dokumente stehen im Servicebereich als Download bereit.

Mit dem Ausstellungskatalog der IBA_Wien 2022, der Stadtführer*in, können Interessierte auch im kommenden Jahr Entwicklungen der IBA_Wien eigenständig vor Ort erkunden. Restbestände sind noch vorhanden und werden von der Stadt Wien kostenlos an Interessierte ausgegeben: IBA-Wien@post.wien.gv.at.