Jüdisches Museum Wien: Herzls Töchter – 100 Jahre WIZO. Wiener Frauen für Israel

11.02.2021

Das Jüdische Museum Wien, ein Museum der Wien Holding, präsentiert derzeit mit der neuen Ausstellung "Herzls Töchter" die hundertjährige Geschichte der Women´s International Zionist Organization (WIZO), sowie das Wirken der WIZO Österreich und porträtiert die Vernetzung von Jüdinnen auf nationaler und internationaler Ebene. Die Ausstellung im Museum Judenplatz soll vor allem die Geschichte der WIZO Österreich, die bisher noch nie erzählt wurde, einer breiteren Öffentlichkeit vorstellen.


Copyright Barbara Nidetzky
Copyright Barbara Nidetzky

Women´s International Zionist Organization

Die WIZO wurde 1920 in London als überparteiliche Dachorganisation für zionistische Frauenorganisationen von Rebecca Sieff, Vera Weizmann, Edith Eder, Romana Goodman und Henrietta Irwell gegründet. In Wien wurde der erste zionistische Frauenverein bereits 1898 ins Leben gerufen und 1921 in die WIZO eingegliedert.

Nach dem "Anschluss" 1938 organisierte die WIZO Ausreisebewilligungen für Mädchen und junge Frauen, um diesen die Auswanderung nach Palästina zu ermöglichen. Auch die Flucht von 1.000 Kindern aus dem Deutschen Reich nach Großbritannien wurde organisiert. Die WIZO diente nicht nur als Anlaufstelle für viele verzweifelte Frauen, sie kümmerte sich auch um Familienmitglieder von WIZO-Frauen, die bereits aus Wien geflüchtet waren. Während der Schoah wurden die von der WIZO gegründeten Mädchenschulen in Palästina Teil umfassender Hilfsaktionen.

Nach 1945 konnte die WIZO Österreich wieder aufgebaut werden. Heute ist die WIZO mit 250.000 Mitgliedern in mehr als 50 Ländern eine der größten internationalen zionistischen Frauenorganisationen. Sie betreut 800 Einrichtungen, ungeachtet der konfessionellen Zugehörigkeit oder Herkunft der bedürftigen Personen.

Gründung WIZO Österreich

Auf dem ersten Zionistischen Frauenweltkongress in Karlsbad 1921 folgte die Gründung der österreichischen WIZO-Föderation. Die erste Präsidentin der WIZO Österreich war Erna Patak (1871-1955), eine Freundin der Familie Theodor Herzls. Sie war Sozialarbeiterin und als Mitbegründerin des Zionistischen Frauenvereins Zionistin erster Stunde.

Ein Höhepunkt in der frühen Geschichte WIZO Österreich war die Organisation des III. Weltkongresses Zionistischer Frauen, der vom 21. bis 26. August 1925 im Rahmen des XIV. Zionistenkongresses in Wien stattfand. Beide Kongresse stärkten die Bedeutung Wiens für den Zionismus und erleichterten die Vernetzung mit anderen Gruppen. Der folgenreichste Beschluss war die Schaffung einer Zentralstelle für Kulturarbeit der WIZO mit Sitz in Wien. Damit wurde die Stadt zum Ausgangspunkt und Vorbild für Kulturarbeit.

Durch die immer prekärer werdende Lage der Jüdinnen und Juden in Europa, erhielt die WIZO in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg immer mehr Zuspruch. Anfang 1938 hatte die WIZO rund 1.850 Mitglieder in Österreich. Da die Aktivitäten der WIZO im Bereich der Auswanderung lagen, war es möglich, mit Duldung der NS-Behörden, in diesem Rahmen eine Zeit lang bis zur endgültigen Schließung im November 1939 weiterzuarbeiten.

Neugründung der WIZO Österreich

Der Wiederaufbau der WIZO Österreich nach der Schoah gestaltete sich sehr schwierig. Fast alle Mitglieder der Vorkriegszeit waren vertrieben oder ermordet worden. Die Wiederaufnahme der Arbeit leisteten einzelne Rückkehrerinnen in Wien bzw. Frauen in Displaced Persons Camps. Sie kümmerten sich um Kinder und Schwangere sowie um Kleidung und Essen. Wie in der Vorkriegszeit organisierten sie auch Vorträge und Hebräischsprachkurse. Die erste Konferenz von WIZO-Frauen aus DP-Lagern fand am 25. Jänner 1947 in Linz-Wegscheid statt.

Derzeit unterstützt die WIZO Österreich u.a. zwei Kindertagesstätten und eine Schule in Rechovot, die sich besonders für Jugendliche einsetzt, die in einem sozial schwierigen Umfeld aufwachsen.

"Herzls Töchter - 100 Jahre WIZO. Wiener Frauen für Israel" ist bis 2. Mai 2021 im Museum Judenplatz (Jüdisches Museum Wien) zu sehen. Zu der von Julia Windegger kuratierten und von Itai Margula gestalteten Ausstellung erscheint ein zweisprachiger Katalog zum Preis von 24,90 € im Eigenverlag mit zahlreichen Abbildungen.

Das Museum Judenplatz (Judenplatz 8, 1010 Wien) ist von Sonntag bis Donnerstag von 10 bis 18 Uhr und freitags von 10 bis 14 Uhr (Winterzeit) bzw. 17 Uhr (Sommerzeit) geöffnet. Das Jüdische Museum Wien in der Dorotheergasse 11, 1010 Wien ist von Sonntag bis Freitag 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Weitere Informationen unter www.jmw.at oder unter info@jmw.at.

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