Psychosoziale Dienste eröffnen neues Ambulatorium für Kinder- und Jugendpsychiatrie

PSD-Wien weitet Kapazitäten für Kinder und Jugendliche massiv aus - enge Anbindung an Wohngemeinschaften der MA11 - Behandlung zuhause durch mobile Teams

Im Pavillon 14 auf dem Gelände des Krankenhauses Hietzing fand heute im Rahmen eines Medientermins die Präsentation des zweiten Ambulatoriums für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Psychosozialen Dienste in Wien (PSD-Wien) durch Jugendstadtrat Jürgen Czernohorszky und Psychiatriekoordinator Ewald Lochner statt. Im Rahmen eines Pilotprojekts wird erstmals sozialpsychiatrische Behandlung räumlich mit Wohngruppen der Kinder- und Jugendhilfe verbunden. Der ärztliche Leiter des Ambulatoriums, Patrick Frottier, und der pädagogische Leiter des Wohngruppenbetreibers Oasis Socialis KIJU, Maximilian Hempt, gaben Einblicke, wie diese enge Zusammenarbeit in der Praxis funktioniert.

Im neuen kinder- und jugendpsychiatrischen Ambulatorium kümmert sich ein multiprofessionelles Team aus PsychiaterInnen, Diplomierten Gesundheits- und KrankenpflegerInnen, PsychologInnen, PsychotherapeutInnen, SozialarbeiterInnen, SozialpädagogInnen und ErgotherapeutInnen gemeinsam um Diagnostik, Behandlung und Betreuung. Das beinhaltete Angebot einer Tagesklinik erlaubt ein sehr intensives Behandlungssetting - auch für Akutfälle - und ist eine ambulante Alternative zur vollstationären Behandlung. Gemeinsam mit dem bereits bestehenden Spezialambulatorium in der Kölblgasse im dritten Bezirk können somit die Behandlungskapazitäten des PSD-Wien in der Kinder- und Jugendpsychiatrie massiv ausgebaut werden.

Bereits international vielfach angedacht, aber in Wien nun erstmals in die Tat umgesetzt wurde die räumliche Verbindung des Ambulatoriums mit sozialpsychiatrischen Wohngruppen. "Wir hatten schon bisher eine sehr intensive Vernetzung der unterschiedlichen Behandlungs- und Betreuungseinrichtungen für Kinder und Jugendliche, aber hier gehen wir noch einen Schritt weiter", so der Stadtrat für Bildung, Integration, Jugend und Personal, Jürgen Czernohorszky, über die enge Zusammenarbeit zwischen Ambulatorium und Kinder- und Jugendhilfe.

"Mit diesem neuen Ambulatorium ist ein weiterer Ausbauschritt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Wien geschafft. Und es werden in den kommenden Jahren noch viele weitere folgen", betonte Ewald Lochner. Er verwies dabei auf die Ausbauschritte, die der Psychiatrische und Psychosomatische Versorgungsplan Wien vorsieht: "Bis 2030 wird es, zusätzlich zu einem noch weiter ausgebauten stationären Angebot, sechs spezialisierte Ambulatorien für Kinder- und Jugendpsychiatrie in ganz Wien geben. Stationäre Krankenhausaufenthalte stellen unabhängig von Alter und Krankheitsbild immer den Alltag auf den Kopf. Das ist gerade bei Kindern und Jugendlichen, für die Schulbesuch und das gewohnte Umfeld umso wichtigere Konstanten sind, oft eine zusätzliche Belastung."

ie mit dem zusätzlichen Ambulatorium neu geschaffenen Kapazitäten in der Kinder- und Jugendpsychiatrie entlasten zudem die Abteilungen in den Wiener Spitälern und machen dort Behandlungsressourcen für jene Kinder und Jugendlichen frei, bei denen ein stationärer Aufenthalt medizinisch notwendig.

Das neue Ambulatorium mit Tagesklinik stellt aber nicht nur eine massive Erhöhung der Kapazitäten des PSD-Wien in der Kinder- und Jugendpsychiatrie dar, sondern bietet auch eine Vielzahl an innovativen Zugängen. So wurden beispielsweise die Öffnungszeiten so gestaltet, dass der Behandlungsbedarf mit einem Schulbesuch der PatientInnen und einer Berufstätigkeit der Erziehungsberechtigten vereinbar ist. Daher ist das neue Ambulatorium, im Gegensatz zu den meisten anderen ambulanten Behandlungseinrichtungen, vier Tage die Woche bis 20:00 geöffnet (Montag bis Donnerstag 13:00 bis 20:00 Uhr, Freitag 08:00 bis 13:00 Uhr). Ersttermine finden spätestens innerhalb von sieben Werktagen statt.

Ein wienweit einzigartiges Angebot des neuen kinder- und jugendpsychiatrischen Ambulatoriums des PSD-Wien ist das Home Treatment, bei dem die Behandlung durch ein mobiles, multiprofessionelles Team in der vertrauten Umgebung der Kinder und Jugendlichen stattfindet. Darüber bietet das Team des Ambulatoriums auch aufsuchende Krisenbehandlung und einen Liaisondienst zur Unterstützung anderer Gesundheits- und Sozialeinrichtungen für Kinder und Jugendliche.

Weitere wesentliche Besonderheit ist, dass die Transitionspsychiatrie - also die psychiatrische Behandlung am Übergang zwischen Jugend und Erwachsensein - von Anfang an mitgedacht wurde. Daher steht neben Kinder- und JugendpsychiaterInnen auch ein Erwachsenenpsychiater zur Verfügung, um sich um jene Jugendlichen zu kümmern, die mittelfristig in die Erwachsenenpsychiatrie überführt werden sollen. Das garantiert auch, dass die Jugendlichen, wenn es notwendig ist, über den 18. Geburtstag hinaus vom ihnen vertrauten Team behandelt werden können.

Zwt.: Pilotprojekt zur engen Anbindung an Wohngemeinschaften für Kinder und Jugendliche

Junge Menschen, die von der Kinder- und Jugendhilfe betreut werden, sind deutlich häufiger von psychischen Erkrankungen betroffen als die Durchschnittsbevölkerung. Sie machen rund 70 Prozent der Kontakte in der ambulanten Kinder- und Jugendpsychiatrie in Wien aus. Bereits jetzt gibt es daher eine enge Zusammenarbeit zwischen der MA11, den Betreibern von Einrichtungen für Kinder und Jugendliche und der psychischen Gesundheitsversorgung.

Beim neuen kinder- und jugendpsychiatrischen Ambulatorium wurde diese enge Zusammenarbeit als Pilotprojekt nun erstmals auch durch eine räumliche Zusammenführung verstärkt: Im selben Gebäude wie das Ambulatorium befinden sich aktuell auch zwei Kleinwohngruppen der Oasis Socialis KIJU gemeinnützigen GmbH, die dort im Auftrag der MA11 acht Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren betreut. International werden so enge Kooperationen bereits in verschiedenen Ländern diskutiert, in Wien gelingt nun erstmals die Umsetzung.

Diese garantiert nicht nur eine rasche Behandlung im Bedarfsfall, sondern erleichtert durch die kurzen Wege und die einfache Austauschmöglichkeit auch, dass sich die Fachkräfte der beiden Einrichtungen gegenseitig unterstützen. Die Wohngemeinschaften TURN der Oasis Socialis KIJU gemeinnützigen GmbH nehmen von Anfang an an den Angeboten der Tagesklinik teil.

Dieses Konzept der engen Anbindung wird im Rahmen eines Pilotbetriebs nun bis Ende 2021 erprobt und die Erfahrungen werden in die Planungen der weiteren Ambulatorien für Kinder- und Jugendpsychiatrie, die in den kommenden Jahren geschaffen werden, einfließen.