Tag der Gehörlosen im Kindergarten: Die Sprache mit den Händen

26.09.2018

© PID/Votava Martin
© PID/Votava Martin

Schon beim Betreten des städtischen Kindergartens in der Gussenbauergasse in Wien-Alsergrund fällt sofort die visuelle Ausrichtung ins Auge. In diesem bilingualen Kindergarten werden im Bildungsalltag zwei Sprachen parallel verwendet - die österreichische Gebärdensprache (ÖGS) und die deutsche Lautsprache. Für die zehn gehörlosen, zwei hörbeeinträchtigten und 27 hörenden Kinder macht es keinen Unterschied, in welcher Sprache sie miteinander kommunizieren. Im gesamten Kindergarten sind passende Gebärden in Bildform angebracht.

Anlässlich des Internationalen Tag der Gehörlosen konnte sich Bildungsstadtrat Czernohorszky selbst ein Bild von der Arbeit mit gehörlosen Kindern machen. "Es ist faszinierend, wie selbstverständlich die Kinder miteinander umgehen und auf die unterschiedlichen Bedürfnisse Rücksicht nehmen. Der Einblick, den ich heute erhalten habe, hat mir gezeigt, was für ausgezeichnete Arbeit unsere PädagogInnen täglich leisten. Und auch ich habe heute ein paar Worte in Gebärdensprache gelernt."

Wie in allen Kindergärten der Stadt Wien wird auch hier nach dem Wiener Bildungsplan gearbeitet. Das Besondere: die zusätzliche gehörlose Mitarbeiterin, die als Rollenvorbild und authentische Vermittlerin der gehörlosen Kultur unverzichtbar ist. Alle MitarbeiterInnen bilden sich in der ÖGS weiter, um eine barrierefreie Kommunikation im Team und mit den Eltern zu ermöglichen. Erst durch die bilinguale Förderung bekommen die hörbeeinträchtigten Kinder gleichwertige Bildungschancen, welche sie für die spätere Schullaufbahn qualifizieren.

"Die Wertschätzung der Erstsprache - in diesem Fall der Gebärdensprache - ist wesentlicher Bestandteil der Bildungsarbeit in städtischen Kindergärten. Nur durch diese Wertschätzung ist es möglich, allen Kindern das Gefühl von Zugehörigkeit zu geben. Die Kinder haben eine Freude, dass sie angenommen werden, wie sie sind und genauso setzen wir das in den Kindergärten um", erklärt Cochlár, Abteilungsleiterin der MA 10 - Wiener Kindergärten.