Thema: Corona(Maßnahmen) einmal anders

Folgender Artikel aus einem Newsletter (culturall.info) wurde uns heute zugespielt, hier der Text der zu nachdenken anregt.

EditoriAll:

Pandemie oder Pandämie?

In der Pandemie beherzige man Kurt Tucholsky: "Schön dass Du da bis ...und nicht hier". Abstand halten gilt als Gebot der Stunden, Tage und Wochen. Und Monate. Und Jahre?

"Das gefährliche an diesem Virus ist, dass er sich so schnell ausbreitet", warnt Christian Heinrich Maria Drosten von der Berliner Charité in einer Arte-Dokumentation. Am 11. Juni ruft die WHO die Pandemie Phase 6 als höchste Warnstufe aus. Zuvor hatte sie die Kriterien erheblich gesenkt. Der Seuchentod droht. 11. Juni? Nein, ich kann nicht in die Zukunft schauen. Es ging um die Schweinepest 2009. Auch vor über 10 Jahren hatte der Meisterdetektiv unter den Virologen den Erreger öffentlichen Ärgernisses in flagranti ertappt. 2003 identifizierte er das SARS-CoV1 Virus. Auch damals war Pandemie und der Weltuntergang stand kurz bevor. Und auch bei der jüngsten Pandemie vor der aktuellen war Prof. Drosten beteiligt. Sie erinnern sich noch an MERS? Haben wir auch knapp überlebt. "Das ist eine Gefahr für die ganze Welt." warnte auch damals die WHO. Und Christian Drosten ebenso. All diese Pandemien wurden durch einen CoV, einen Corona-Virus übertragen. Einen Virus, der uns in verschiedenen Ausprägungen jeden Winter neu beehrt. Seit Menschengedenken. Und seit Menschengedenken hat sich unser Immunsystem darauf eingestellt und dem Virus im Frühjahr den Garaus bereitet. So auch in diesem Jahr. Die Zahl der Geheilten steigt deutlich schneller als die Zahl der Neuinfektionen.

Aber dieses Mal sind es doch mehr Tote! Meinen Sie? Wenn jemand im Winter einen Herzinfarkt erleidet und auf Erkältungserreger getestet wird, wird man aller Wahrscheinlichkeit nach auch welche finden. Dann zu behaupten, der arme Mensch sei einem Erkältungserreger zum Opfer gefallen, ist statistisch möglich aber sinnlos. Aufklärung kann da nur eine pathologische Untersuchung bringen. Leider hält aber das Robert-Koch-Institut nicht viel davon. Im Gegenteil, die Beamten der dem deutschen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn unterstellten Behörde rund um den gelernten Tierarzt Wieler raten nachdrücklich davon ab. Die Pathologen könnten sich infizieren. Nur ist es seit Robert Kochs Zeiten so, dass die Damen und Herren in den Leichenkellern mit professioneller Ausrüstung wie Handschuhen, Atemschutz und Desinfektionsmittel arbeiten und in der Regel wissen was sie tun.

Dann sollte doch wenigstens in einer Feldstudie untersucht werden wie sich das Virus ausbreitet und wen es befällt, so wie es Robert Koch seinerzeit bei Milzbrand, Cholera und Typhus vorgemacht hatte. In einer Pressekonferenz am 3. April lehnt Prof. Wieler das als "nicht zielführend" ab. Das verschlägt einem auch ohne Corona den Atem. Gemacht hat die Feldstudie dann Prof. Streeck von der Universität Bonn mit Mitteln des deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Und was er und seine Studenten herausgefunden haben, ist überaus spannend und durchaus ein Grund zum Durchatmen. Er "war nicht sehr überrascht, dass diese Menschen gestorben sind. Einer der Verstorbenen war älter als 100 Jahre, da hätte auch ein ganz normaler Schnupfen zum Tod führen können." sagte er bei einem Interview in der Zeit Anfang April. Bei einem anderen attestierte er einen Herzinfarkt. In einer Pressekonferenz zusammen mit dem NRW-Ministerpräsidenten Amrin Laschet präsentiert der Leiter des Instituts für Hygiene an der Uni Bonn seine Ergebnisse. Die Mortalität, also die Sterberate im von Streeck untersuchten Ort Gangelt, im besonders betroffenen Gebiet Heinsberg, beträgt ganze 0,06 %. Das ist unter(!) der Sterberate einer gewöhnlichen Grippe.


Laut WHO ist das Durchschnittsalter der Corona-Toden 82 Jahre bei den Männern und 84 bei den Frauen. Das liegt über der allgemeinen Lebenserwartung in den Industrieländern. Und weit über der in Entwicklungs- und Schwellenländern. Und auch hier gilt: wenn ein Mensch im Winter stirbt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, bei diesem Erkältungserreger zu finden. Ein Drittel der in Deutschland gestorbenen sind in Altersheimen verstorben. In dem Wolfsburger Altersheim in dem es zuerst zu einem Corona-Ausbruch gekommen war, wunderten sich die Pflegekräfte, dass die Verstorbenen vor ihrem Tod keinerlei Symptome gezeigt hatten. Die Anwesenheit von Erregern ist nicht gleich der Todesursache durch den Erreger.

Das zeigt auch die europäische Statistik für die Sterbefälle ("Euro Mortality Monitor") für das erste Vierteljahr 2020. Verglichen mit den Vorjahreswerten sind weniger Menschen in diesem Winter verstorben. Corona inklusive, Grippe inklusive und sonstwas inklusive. Alles, alles eingeschlossen gibt es also in der Pannendemie weniger Todesfälle als im Durchschnitt der Vorjahre. Insbesondere der Winter 2017 zu 2018 weist ganz andere Zahlen auf. Denen zufolge war das eine Grippesaison mit 25.000 Toten nur in Deutschland. Warum haben wir da nicht das öffentliche Leben in ein Still-Leben verwandelt? Es gab da keinen wissenschaftlichen Ruhm zu ernten. Grippe ist langweilig, kennt ja jeder. Damit lässt sich keine Panik verbreiten. Das ist aber die eigentliche Krankheit. Wir haben eine Panikdemie. Und wer es glaubt hat Pandämie.

Dabei sind die Seuchen die wirklich massenhaft Menschen dahingerafft haben noch gar nicht so lange her. Cholera, Milzbrand, Typhus haben Millionen getötet. Alle paar Jahre wieder, zuletzt in Europa 1923. Bis Robert Koch an der Universität Würzburg und an der Charité in Berlin die Erreger ausfindig machte und sogar Gegenmittel fand, war das eine unaufhaltsame Plage der Menschheit. Aber das Herunterfahren des öffentlichen Lebens gehörte nicht zu seinen Empfehlungen. Totenstarre hilft nicht gegen den Tod. Aber Hygiene. Und eine gesunde Lebensweise. So bestätigt auch Prof. Streeck: "dass wir gerade alles tun, was schlecht für unser Immunsystem ist. Wir hängen zu Hause rum und gehen nicht raus in die Sonne."

Eine große Feldstudie in Frankreich, die am 19.3.20 veröffentlicht wurde, hat in der Frage der Sterblichkeit zwischen normalen Corona-Viren und Covid19 keinen Unterschied gezeigt. Und in der weltweit angesehensten Fachzeitschrift für dieses Thema, dem New England Journal of Medicine, ist am 26. März ein wissenschaftlicher und per Kreuzgutachten (peer-review) beglaubigter Artikel zur Covid19 erschienen. Diesem fundierten wissenschaftlichen Artikel zufolge ist Covid19 mit einer schweren saisonalen Grippe vergleichbar. Woher dann die private Organisation "Correctiv" wissen will, dass diese renommieren und wissenschaftlich anerkannten Beiträge nicht korrekt sein sollen, bleibt das kleine Geheimnis der Hobbywissenschaftler. Wie überhaupt die Unverfrorenheit, mit der manche Journalisten gestandenen Wissenschaftlern erklären wollen, was nun richtig oder falsch zu sein hat, in Erstaunen versetzt. Da werden Modellrechnungen unkritisch übernommen und als Realität verkauft. Das missfällt auch Prof. Streeck: "Aber diese Modelle stecken voller Annahmen, die niemand getestet hat. Und es muss oft ja nur eine Annahme falsch sein oder eine Sache unberücksichtigt und schon fällt das ganze Modell in sich zusammen."

Für den geistigen Vater von Robert Koch, Rudolph Virchow, seines Zeichens ebenfalls Professor an der Charité in Berlin gewesen, sind Seuchen Zeichen gesellschaftlicher Missstände:

"Epidemien gleichen großen Warntafeln,

an denen der Staatsmann von großem Styl lesen kann,

daß in dem Entwicklungsgange seines Volkes eine Störung eingetreten ist."

Und in der Tat folgte der Spanischen Grippe vor über 100 Jahren mit Millionen Toten binnen weniger Monate alsbald der Kapp-Putsch in Deutschland, 1929 der Schwarze Freitag mit einer verheerenden Wirtschaftskrise, Hyperinflation und der Ruf nach dem starken Mann, der dann auch vier Jahre später kam, sah und vernichtete.

Der Pandemie folgt die wirtschaftliche Depression und dieser dann erst der Totalitarismus. Damit ist der wirtschaftliche Verfall gefährlicher als die eigentliche Pandemie. Und tödlicher. Allein die direkten Folgen der Notbremse sind immens, aber die nachfolgenden zerstörten Existenzen, ruinierten Familien und ohne Halt aufwachsenden Kinder übertreffen die direkten Folgen um ein Vielfaches. Weltweit stirbt alle 3 Sekunden ein Mensch an Hunger, alle 3 Minuten einer an Typhus. Ganz ohne Pandemie. Allein in Deutschland sind jedes Jahr 20.000 Tode durch multiresistente Krankenhauskeime zu verzeichnen - jedes Jahr wieder. Wer da von "Gesundheit geht vor Profit" redet hat die Tragweite der Auswirkungen eines Abschaltens der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens nicht begriffen. Wolfgang Ewer, Präsident des Bundesverbands der Freien Berufe (BFB): es "trifft gerade diejenigen ins Mark, die keine üppigen Rücklagen haben. Sie werden nicht lange durchhalten können".

In Deutschland drohen 1,4 Millionen Freiberuflern der Ruin, zahlreiche Künstler hatten auch vor Corona kaum gewusst, wie sie über die Runden kommen sollen. Kleine Theater, Konzertveranstalter und Galerien sind schwer getroffen. Jens Michow, Präsident des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft warnt vor dem wirtschaftlichen Kollaps vieler Veranstalter. Viele Mittelständler werden zu Bittständlern. Familienbetriebe verlieren ihre Familien. Kinder aus bildungsfernen Haushalten werden um ihre Bildungschancen gebracht. Die Verbraucherzentrale Bundesverband warnt vor einem massiven Ansteigen der Privatinsolvenzen durch die Corona-Pandemie, sollte die Krise länger als ein oder zwei Monate andauern.

So geht das nicht. So geht das auch nicht weiter. Der Präsident des Weltärzteverbandes Frank Ulrich Montgomery meinte bereits am 17.3. im Bayrischen Rundfunk: "Wie lange lassen sich die Bürger das gefallen?" und fragte: "Was wird denn in 30 Tagen so fundamental anders sein, dass man auf sie verzichten kann?"

Die brandenburgische Verfassungsrichterin und Schriftstellerin Juli Zeh hat kurz vor der aktuellen Pandemie diesen erstaunlichen Satz geprägt:

"Das Gegenteil von Freiheit ist Gesundheit".

Aber was ist nun zu tun? Wenn es trotz aller vielversprechender Ansätze nun mal noch keine Arznei und auch keine Impfung gibt, bleibt nichts anderes übrig, als diese Krise mit Verstand und Mut durchzustehen. Der Inhaber des Lehrstuhls für Medizinische Mikrobiologie und Virologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle

Alexander Kekulé fordert daher in der Tagesschau vom 4. April: "Wir können auf keinen Fall warten bis wir einen Impfstoff haben. Das wird viel zu lange dauern. So lange können wir keinen Shutdown machen. Und deshalb müssen wir letztlich eine Herdenimmunität aufbauen."

Eine Durchseuchung aller die nicht zur Risikogruppe gehören, bringt sogenannte Herdenimmunität. Das geht aber nur mit einem besonderen und wirklich durchdachten Schutz der Risikogruppe einher. Nach der Durchseuchung kann der Schutz selbst der Risikogruppe schnell beendet werden, weil unsere Großeltern und Eltern, alle Schwangere, alle mit Vorerkrankungen dann von einem Schutzring aus Immunen umgeben sind. So sieht das auch der Direktor des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf Ansgar Lohse: " je schneller diese Gruppe eine Infektion durchmacht, umso besser", ist er der Meinung. Auch Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut ist in den ARD Tagesthemen zu vernehmen: "Wir müssen für eine langsame Durchseuchung der Bevölkerung sorgen".

Klingt abenteuerlich? Keineswegs, Schweden zum Beispiel ist damit erfolgreich. Dort haben die Schulen und Kindergärten nicht einen Tag zu gemacht, die Läden und sogar die Gaststätten sind offen, das Leben geht seinen Gang. In Schweden kann der nächste Winter kommen. Und bei uns? Wollen wir den nächsten Winter wieder alle wegschließen? Spätestens in 10 Jahren entdeckt Herr Drosten wieder einen SARS-Virus. Der heißt dann vermutlich MARS und macht immobil. Ein

lähmender Gedanke, finden Sie nicht?

Zahlreiche Wissenschaftler und Ärzte sehen die bisherigen Corona-Maßnahmen in Deutschland kritisch. Allen voran ging Dr. Wolfgang Wodard. Dem Spiegel zufolge seien seine Äußerungen "gefährliche Falschinformationen". Aber der Mann war Amtsarzt von Flensburg, Mitglied des Bundestages, Dozent für Gesundheitspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Flensburg und unterrichtete Medizin und Arbeitsschutz für Schiffsoffiziere an der Fachhochschule Flensburg, Vorsitzender des Fachausschusses Gesundheitlicher Umweltschutz bei der Ärztekammer Schleswig-Holstein, hatte Lehrveranstaltungen an der Charité Berlin sowie an weiteren europäischen Hochschulen. Was hingegen weiß denn dieser Spiegel-Journalist. Auch Prof. Sucharit Bhakti kritisiert scharf die Einschränkung der Bürgerrechte und wird prompt zum Verschwörungstheoretiker degradiert. Seine Ansichten über die Gefährlichkeit des Covid19-Virus werden von fachlich nicht annähernd so qualifizierten Journalisten als "unwissenschaftlich" abgetan. Der emeritierte Leiter des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene an der Uni Mainz hält den Covid19-Virus für nicht gefährlicher als die üblichen Grippeerreger. Die Uni Mainz war sich übrigens nicht zu schade, des Professors Email-Adresse zu sperren. Prof Stefan Hockertz ist Immuntoxikologe der Uni Hamburg und sieht die Einschränkung der Bürgerrecht in keinem angemessenen Verhältnis. Der Hamburger Rechtsmediziner Klaus Püschel bestätigt in der überregionalen Tageszeitung Die Welt: "In Hamburg ist niemand ohne Vorerkrankung an Corona gestorben". Das sind geballte Aussagen von Medizinern und Wissenschaftlern, die ein anderes Bild der Lage zeichnen und eine weitere totale Still-Legung des öffentlichen Lebens als ungerechtfertigt erscheinen lassen.

Vor 500 Jahren ist übrigens Raffael gestorben - an einer fiebrigen Infektion. In Dresden und Berlin sind großartige Ausstellungen mit Werken des großen Italieners aufgebaut die auf uns warten. Und auch ein anderer Jubilar hat uns etwas zu sagen. Hölderlin wäre heute gewiss 250 Jahre, wenn er nicht an einer Röteln-Infektion gestorben wäre. "Wozu Dichter in dürftiger Zeit?", fragt er uns.

Weil es auch 200 Jahre später Menschen gibt, die seine Zeilen lesen. Von den Toten bleiben die Werke. Und begleiten die Lebenden.

Ihr KP / CULTURall.info