Umbrüche: Die VHS Reihe zum Gedenkjahr 2018

06.03.2018

Zeitzeugengespräche sowie Veranstaltungen zum Frühling 1968, der Wirtschaftskrise 2008 und viel mehr.

1848, 1918, 1938, 1948, 1958, 1968, 1978, 1988, 2008 - das Jahr 2018 ist ein Mega-Gedenkjahr. Die Wiener Volkshochschulen thematisieren mit der Veranstaltungsreihe "Umbrüche" die vielfältigen historischen Marksteine, die diese Daten zum Ausdruck bringen.

Für eine gelungene Gedenkkultur ist es nicht nur wichtig, sich den Ereignissen an sich zu widmen, sondern auch zu hinterfragen, wer ins Gedenken involviert ist. Anspruch der VHS ist nicht, Veranstaltungen für Eliten durchzuführen, sondern auch Zielgruppen anzusprechen, die die Wiener Volkshochschulen in ihre vielfältigen Bildungsmaßnahmen bereits integriert hat: Bildungsbenachteiligte Jugendliche wie wissbegierige Seniorinnen und Senioren, oder auch an Kurzsprachkursen interessierte Wienerinnen und Wiener. Ziel ist es, die Bedeutung dieser Umbruchs-Jahre möglichst vielen in Wien lebenden Menschen näherzubringen. Jede Volkshochschule nimmt daher zumindest eine Veranstaltung im breiten Rahmen dieses Gedenkjahres in Angriff und thematisiert einen oder mehrere dieser Umbrüche. "Nur wenn wir aus der Vergangenheit lernen, können wir an einer guten Zukunft bauen", so Herbert Schweiger, Geschäftsführer der Wiener Volkshochschulen. Die Veranstaltungsreihe versteht sich als Beitrag zum offiziellen Gedenkjahr "Österreich100", das vom Präsidenten des Verbandes Österreichischer Volkshochschulen, Dr. Heinz Fischer, im Auftrag der Republik koordiniert wird.

Prager Frühling in der VHS Floridsdorf, März 1938 in der Landstraße

Start der VHS Reihe ist am 6. März in der VHS Simmering (11., Gottschalkgasse 10): Das für die österreichische Geschichte bedeutende Jahr 1918 bildete auch im Bereich der Kunst eine wesentliche Zäsur. Einflussreiche Künstler wie Gustav Klimt, Egon Schiele oder Koloman Moser starben, andere wie Oskar Kokoschka verlassen das Land. Der Eintritt für den Vortrag um 18 Uhr ist wie auch bei allen anderen Umbrüche-Veranstaltungen frei.

Anlässlich 80 Jahre "Anschluss" an das Deutsche Reich beleuchtet "Verfolgung - Vertreibung - Vernichtung" am 8. März in der VHS Landstraße (3., Hainburger Straße 29) die Lebenssituation der jüdischen Bevölkerung ab März 1938 bis Kriegsende 1945, die von Arisierungen, Berufsverboten, Flucht und Deportationen in Konzentrationslager geprägt war.

Zum 50. Mal jährt sich der Prager Frühling 1968, der im Gegensatz etwa zum Ungarischen Volksaufstand 1956 umfassende Reformen im sozialistischen System nach sich zog, wie der Vortrag "Prager Frühling 1968" am 14. März in der VHS Floridsdorf (21., Angerer Straße 14) um 19 Uhr zeigt.

80 Jahre nach dem "Anschluss": Zeitzeugengespräch mit Karl Pfeifer

Ebenfalls am 14. März: Die Historikerin Barbara Dmytrasz spricht mit dem Zeitzeugen Karl Pfeifer über seine Flucht 1938, als der Zehnjährige von Baden bei Wien über Ungarn und Frankreich 1943 schließlich ohne seine Familie in einen Kibbuz im britischen Mandatsgebiet Palästina gelangt. "Karl Pfeifer - ein jüdischer Lebensweg" um 17 Uhr in der VHS Wiener Urania (1., Uraniastraße 1) handelt von Vertreibung und einer Flucht, die aber schließlich wieder in Österreich endet.

Am 19. März führt die VHS Donaustadt (22., Bernoullistraße 1) von 18 bis 20 Uhr in Strategien und Organisationsformen von Faschisten ein: Der Workshop "Erlebniswelt Rechtsextremismus" arbeitet mit Text- und Bildbeispielen: Wie auch in anderen Teilen Europas erstarken auch hierzulande rechte Gruppierungen. Ihre spezifischen Codes und Symbole passen sie vor allem für Jugendliche in Form von Mode, Party und Musik, aber auch Demonstration und Konfrontation zu einer allumfassenden "Erlebniswelt" an. Dabei bedienen sie sich der Neuen Medien, um rechtes Gedankengut und NS-Devotionalien an ein junges Zielpublikum zu adressieren. Andere Bewegungen wie die Identitären verschleiern ihre Ideologien und nutzen Instrumente der eigentlich abgelehnten US-Massenkultur.

Weitere Informationen und das komplette Programm unter www.vhs.at/umbrueche