„We got the E-Power“: MA 48 setzt erstes vollelektrisches Müllsammelfahrzeug Österreichs ein

27.05.2019

Präsentation beim "Climate Kirtag" vor der Hofburg bei R20-Konferenz mit Schwarzenegger, Thunberg und der 48er-Tandler-Band

Österreich-Premiere: Ab übermorgen ist die MA 48 mit Österreichs erstem voll elektrischem Müllsammelfahrzeug in Wien unterwegs! Davor wird es morgen, Dienstag, noch bei der von Arnold-Schwarzenegger gegründeten R20 - Klimakonferenz vor der Hofburg der Öffentlichkeit präsentiert. Dort werden ab 15 Uhr neben Arnold Schwarzenegger auch die weltbekannte Klimaaktivistin Greta Thunberg sowie Ski-Star Aksel Lund Svindal, Musiker wie Conchita oder Pizzera & Jaus live sowie die 48er-Tandler Band mit Niddl und Dennis Jale auftreten. "Ich bin stolz, dass die MA 48 wieder einmal Pionierarbeit in Sachen Umweltschutz geleistet hat und wieder einmal Motor für die Ökologisierung des Fuhrparks der Stadt Wien ist", so Umweltstadträtin Ulli Sima.

E-Müllauto: 100 % - E-Power von der Stange nicht erhältlich

Da die MA 48 seit jeher auf umweltfreundliche Mobilität setzt und einen entscheidenden Beitrag zum Klimaschutz in der Millionenstadt leistet, ist es nur logisch, dass sie ihr neues E-Müllauto im Rahmen der großen Schwarzenegger-Konferenz präsentiert. Entwickelt wurde es in Zusammenarbeit mit den Firmen MAN als Generalauftragnehmer, MUT und Framo. 100 Prozent der benötigten, sauberen Energie kommt aus der Steckdose - sowohl für den Antrieb, die Behälterentleerung als auch für die Müllverdichtung - und das alles bei Zero-emission! Ein derartiges Fahrzeug gab es in Österreich bisher nicht. Derzeit sind am Markt nur vollelektrische PKWs bzw. Klein-LKWs erhältlich. Müllsammelfahrzeuge gab es lediglich als Hybridfahrzeuge zu kaufen. Bei diesen erfolgt der Antrieb herkömmlich über einen Verbrennungsmotor, der Aufbau, d.h. die Entleerung der Behälter bzw. die Verdichtung der Abfälle im Sammelfahrzeuge erfolgt elektrisch. Sobald der Strom nicht mehr verfügbar bzw. aufgebraucht ist, wird auch bei Hybridfahrzeugen auf Dieselbetrieb umgeschaltet. Auch die MA 48 setzte unterschiedliche Hybridfahrzeuge im Testbetrieb ein. Im Echtbetrieb konnten die Fahrzeuge nicht überzeugen, da die zur Verfügung stehende elektrische Kapazität nicht der benötigten Tagesleistung entsprach.

Auf Initiative der 48er wurde von drei namhaften Firmen ein vollelektrisches Müllsammelfahrzeug entwickelt. Ein herkömmliches Führerhaus mit Fahrgestell eines MAN-Müllsammelfahrzeuges wurde innerhalb von 5 Monaten von der Fa. Framo auf E-Antrieb umgerüstet. Zuletzt erfolgte die Montage des Müllauto-Aufbaus von der Fa. MUT. Beim neuen Fahrzeug ist sowohl der Antrieb als auch der Betrieb des Aufbaus (Müllverdichtung und Behälterentleerung) elektrisch.

Im Echtbetrieb unterwegs für unser Klima

Das neue E-Müllsammelfahrzeug wird auf unterschiedlichen Strecken eingesetzt und für unterschiedliche Abfallfraktionen (Restmüll, Altpapier etc.) erprobt. Gestartet wird ab sofort mit einer Restmüllstrecke innerhalb des Gürtels. Nur so kann festgestellt werden, ob das 3-achsige Fahrzeug universell eingesetzt werden kann und den Erwartungen entspricht. Die Nennkapazität der eingebauten Li-Ionen Batterie von 230 kWh soll für die Tagesleistung eines Müllautos ausreichen. Zum Vergleich ein E-PKW hat eine Leistung von ca. 20-40 kWh. Die Reichweite des LKWs im Sammelbetrieb soll mindestens 100 km betragen. Das Fahrzeug kann auf einer 400 Volt Kraftstromsteckdose aufgeladen werden. Ermöglicht wird dies über ein Onboarding Ladsystem, wodurch die nötige Umwandlung von Wechselstrom auf Gleichstrom direkt im Fahrzeug stattfindet. Die Flexibilität ist daher maßgeblich erhöht, da dieser Anschluss in jeder Garage der MA 48 verfügbar ist. Eine separate Ladestation ist nicht nötig.

Zusammenarbeit mit Experten der TU-Wien

Der Einsatz des neuen E-Müllsammelfahrzeugs wird auf die Dauer von 1 Jahr von WissenschaftlerInnen der TU-Wien begleitet. Das Verhalten des Fahrzeuges bzw. der Batterie wird bei unterschiedlichen Temperaturen, auf unterschiedlichen Strecken bzw. verschiedenen Abfallfraktionen untersucht wie z.B.: Wie verhält sich die Batterie in den Jahreszeiten, hinsichtlich Verdichtungsleistung (Anzahl an Behälterentleerungen), gefahrene Kilometer etc. Es werden dadurch wertvolle Erfahrungen gesammelt, wo das Fahrzeug unter welchen Bedingungen optimal eingesetzt werden kann. Die dabei gewonnen Daten werden zu weiteren Erkenntnissen für den tatsächlichen, optimalen Betrieb liefern. Falls der Echtbetrieb positiv ist - wovon wir aus derzeitiger Sicht ausgehen - kann die Stadt Wien die gewonnenen Ergebnisse für die künftige strategische Ausrichtung des Fuhrparks nutzen.

EU - Richtlinie Clean Vehicles Directive

Damit stellt sich die Stadt Wien schon heute für die geplante EU-Richtlinie (Clean Vehicles Directive) für die Beschaffung von emissionsarmen bzw. emissionsfreien Nutzfahrzeugen im öffentlichen Dienst. Mit der Richtlinie werden Mindestziele für saubere leichte Nutzfahrzeuge, Lkws und Busse vorgegeben, die bei der öffentlichen Auftragsvergabe bis spätestens 2025 bzw. 2030 einzuhalten sind. Als saubere Fahrzeuge gelten Antriebsarten wie Elektrizität, Wasserstoff, Erdgas, biologische, synthetische und paraffinische Brennstoffe etc. Die formale Abstimmung und somit die Genehmigung sowohl im Europäischen Parlament als auch im Rat wird voraussichtlich Ende März/April erfolgen.

Alternative Energielieferanten durch die MA 48

Die Herkunft des Stroms bei E-Fahrzeugen -wie auch dem neuen elektrischen Müllauto der 48er - beeinflusst natürlich auch maßgeblich den ökologischen Nutzen derartiger Technologien. Die MA 48 setzt daher schon seit Jahren auf die alternative Stromproduktion. Einige Beispiele wären die Produktion von Strom bei der thermischen Verwertung von Restmüll, die Erzeugung von Strom aus methanhaltigen Deponiegas aus organischen Altablagerungen auf der Deponie Rautenweg oder die Errichtung von Photovoltaikanlagen auf ihren Liegenschaften - wie beispielsweise auf der Deponie Rautenweg. Bei Umbauten und Neubauten wird die Montage von Photovoltaikanlagen automatisch mitgeplant - soweit sinnvoll. Weitere große Photovoltaikanlagen sollen in Zusammenarbeit mit den Fachleuten von Wien Energie folgen. Diese produzierte Energie wird teils innerbetrieblich genutzt und teils ins Wiener Stromnetz eingespeist. Der Energieproduktion durch die Wiener Abfallwirtschaft übersteigt den Strombedarf der MA 48 durch beispielsweise die nötige Aufbereitung von Abfällen. Ein weiteres gelungenes Beispiel innerhalb der Stadt Wien ist das Projekt E_OS - Energie_Optimierung Schlammbehandlung der ebswien hauptkläranlage. Durch die effiziente Nutzung der im Klärschlamm enthaltenen Energie kann die ebswien ab dem Jahr 2020 die gesamte zur Abwasserreinigung benötigte Energie (rd. 1 % vom Wiener Gesamtverbrauch) selbst aus dem erneuerbaren Energieträger Klärgas erzeugen.

Das E-Müllsammelfahrzeug im Detail

Fahrzeugdaten:

  • Leistung: 400 kW
  • höchst. zul. Gesamtgewicht: 27 Tonnen
  • höchst. zul. Nutzlast : 11 Tonnen
  • Sammelvolumen: 18 m³
  • Anzahl Achsen: 3
  • Abmessungen: 9,10 * 2,55 * 3,45 m

Batterie:

  • System: 2 Stk. Lithium-Ionen-Batterien
  • Nennkapazität: 230 kWh
  • Nennspannung: 600 V
  • Reichweite: 100 km (Transport, Müllentleerung, -verdichtung)
  • Ladezeit: 12 h (Onboard-Ladesystem, Anschluss CEE 32 A/400 Volt), 2 h (Schnellladesystem)
  • Gewicht: 2.300 kg (2*1.150 kg)
  • Position: seitlich zwischen 1. und 2. Achse (li + re)
  • Fahrtemperatur: -40 ° C bis + 50 C
  • Ladetemperatur: 0 bis + 40 °C

Sicherheitssysteme:

Elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP), Elektronisches Bremssystem (ESB), Antiblockiersystem (ABS), Notbremsassistent (EBA2), Notbremssignal (ESS), Lane Guard System (LGS), Antriebschlupfregelung (ASR). Selbstverständlich ist das Fahrzeug auch mit einem 7-Spiegelsystem und testweise mit einem erfolgsversprechenden Abbiegeassistenzsystem (Videokamera mit Bilderkennungssoftware) ausgestattet.