Dr. Michael Ludwig zum Tod von Peter Patzak: 

12.03.2021
Copyright PID/Jobst
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Das Ableben Peter Patzaks ist ein enormer Verlust für uns alle. Für Wien, für Österreich, für die gesamte Kultur. Denn Patzak war, was die Bandbreite seines Schaffens betrifft, eines der letzten großen Universalgenies.

Als Filmregisseur erlangte er Weltruhm: Uns allen ist etwa sein Spielfilm "Kassbach" (1979) noch lebhaft in Erinnerung, mit dem er vor der Gefahr des kleinbürgerlichen Rechtsextremismus und Neofaschismus warnte.

Legendäres schuf Patzak auch mit seiner Fernsehserie "Kottan ermittelt" (1976 - 1983), in der er das zum Teil sehr düstere Wien der Zimmer-Küche-Kabinett-Wohnungen in den siebziger und achtziger Jahren unverwechselbar porträtierte. Für sein filmisches Schaffen wurde er mit dem Regiepreis der Biennale von Venedig, dem Max-Ophüls-Preis, dem Adolf-Grimme-Preis, der Goldenen Romy, dem Preis der Berliner Filmfestspiele und einem Preis der UNESCO ausgezeichnet.

Parallel dazu überzeugte Patzak auch durch sein literarisches Werk - erst kürzlich erschienen seine teils realen, teils fiktiven Jugenderinnerungen, deren fabulierende Erzählkraft mit den Filmen Federico Fellinis verglichen wurde: "Wo bitte wohnt Herr Friedrich Engels?"

Auch als Theaterregisseur erregte Patzak Aufmerksamkeit: 2007 brachte er Theo van Goghs Kinothriller "Interview" auf die Bühne des Wiener stadtTheaters.

Seine große Liebe galt der Malerei: Seine Bilder wurden auf der ganzen Welt - von Basel bis New York - gezeigt. In den vergangenen Jahren lud er auch gemeinsam mit seiner geliebten Ehefrau Eve Joy, die 2013 nach einem Schlaganfall zu zeichnen begonnen hatte, zu viel beachteten Vernissagen.

Als Lehrender hat Patzak stets auch gesellschaftspolitisch Position bezogen und sein Wissen und seine Erfahrungen mit jungen Kolleginnen und Kollegen geteilt. Als "Grenzüberschreiter und Tabubrecher", aber auch als "Menschenliebhaber und Menschensammler", wurde er vergangenes Jahr im Rahmen der Überreichung des Goldenes Ehrenzeichens für Verdienste um das Land Wien liebevoll bezeichnet.

Er selbst formulierte damals im Wiener Rathaus: "Ich bin geehrt durch die Wertschätzung und den Respekt des Landes Wien gegenüber meiner Arbeit und Haltung und will an dieser Stelle deutlich zum Ausdruck bringen, wie groß mein Respekt gegenüber dem Land und der Stadt Wien ist. Als Zeitzeuge darf ich sagen: Hier wurde maßgeblich an den Werten und dem Wohl der Zweiten Republik geschrieben."

Mein Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen dieses großartigen Menschen und künstlerischen Universalisten, Eve Joy Patzak und den Söhnen Fabian und Serge. Wir werden Peter Patzak und sein gesamtkünstlerisches Oeuvre nie vergessen.

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