LESSINGTHEATER WIEN Hamletmaschine

06.11.2026

Heiner Müllers "Hamletmaschine", gespielt von einem Ensemble mit eigenen Erfahrungen von Krieg und Flucht. Mutig, feministisch, aufwühlend. Jetzt im LESSINGTHEATER-WIEN, Rennweg 89/A. 🎭
#Hamletmaschine #TheaterWien

Hinter uns die Ruinen von Europa Das LESSINGTHEATER-WIEN zeigt Heiner Müllers "Hamletmaschine" als kluge, körperliche und berührende Ensemblearbeit, und es zeigt, was ein kleines, unabhängiges Theater leisten kann. Drei Gestalten stehen im kalten Scheinwerferlicht, reglos, nur als Silhouetten zu sehen. Ein Murmeln, dann ein Ruf: "Im Rücken die Ruinen von Europa." Mit diesem Bild zieht die Inszenierung am Rennweg ihr Publikum sofort in einen Text hinein, der als einer der rätselhaftesten des deutschsprachigen Theaters gilt. Heiner Müller schrieb seine "Hamletmaschine" als Abgesang auf die großen Utopien des 20. Jahrhunderts. Am LESSINGTHEATER-WIEN wird daraus ein Stück, das ganz in unserer Gegenwart ankommt. Das gelingt vor allem durch den Zugang des Hauses. Seit Jahren erarbeitet das LESSINGTHEATER-WIEN Theatertexte mit partizipativ-performativen Methoden, und das merkt man jeder Minute an. Der Hamlet ist auf mehrere Stimmen verteilt, die chorisch einsetzen, einander ins Wort fallen und sich widersprechen. Aus dem vielfach wiederholten "Ich war Hamlet" wird so die Erfahrung einer ganzen Generation, die ihre Rolle verloren hat. Wenn später der Satz "Ich bin nicht Hamlet. Ich spiele keine Rolle mehr" fällt, hat man das Zerbrechen dieser Figur fast körperlich miterlebt. Ihren eigentlichen Sog entwickelt die Aufführung in den Frauenfiguren. Ophelia, die "die Werkzeuge ihrer Gefangenschaft" zerstört und die Türen aufreißt, "damit der Wind hereinkann und der Schrei der Welt", und Elektra, die am Ende "im Namen der Opfer" spricht, gehören zu den stärksten Momenten des Abends. Die Regie stellt die scheiternden, posierenden Hamlet-Figuren klar gegen weibliche Figuren, die zur Revolte aufrufen. Das Publikum hat das genau gesehen: Im anschließenden Gespräch nannte eine Zuschauerin die Inszenierung "avantgardistisch, gesellschaftskritisch, sehr feministisch". Besonders bewegend ist, dass zum Ensemble Menschen gehören, die Krieg, Armut und Flucht selbst erlebt haben. Wenn im großen Aufstands-Monolog jemand "auf beiden Seiten der Front" steht, ist das kein abstraktes Textspiel mehr. Krisen des 21. Jahrhunderts treffen hier auf Müllers Text, und beides wird spürbar. Text, Darsteller*innen, Ort und Thema verbinden sich, wie es sich das Haus vorgenommen hat. Page 4 of 5 Hamletmaschine – Schnittvorschlag & Kritik Die Regie hält die Balance zwischen strenger Form und offener Spielweise. Chorische Passagen, präzise Choreografien und eine eigens gestaltete Musik tragen den Abend auch dort, wo der Text sich dem Verstehen entzieht. Gerade die Musik leistet, was Worte nicht schaffen. Mutig sind auch die Brüche, etwa wenn Hamlet im Kleid sagt "Ich will eine Frau sein". Die Szene ist nie Klamauk, sondern ernst genommen und gerade dadurch eindringlich. Die Lichtstimmungen erzeugen Bilder, die man, wie eine Zuschauerin sagte, "fotografieren möchte". Das Publikumsgespräch nach der Vorstellung zeigt, wie ernst das Haus die Idee vom Theater als gesellschaftlichem Verhandlungsraum nimmt. Das Ensemble erzählt offen, wie es sich dem schwierigen Text genähert hat: "Am Anfang haben wir gar nichts verstanden, und irgendwann: Ach, darum geht's!" Es fragt auch selbst zurück, wie die Frauenfiguren angekommen sind. Ein Happy End bietet der Abend nicht. Er gibt die Frage weiter, was wir an unserem Verhalten und an unserer Politik verändern müssen. Ein Stück, das noch lange nachwirkt. Fazit: Eine dichte, intelligente und mutige Produktion, ein Ensemble, das Müllers sperrigen Text mit großer Intensität und Ernsthaftigkeit auf die Bühne bringt, und eine hervorragende Regie, die Form und Gegenwart klug verbindet. Das LESSINGTHEATER WIEN beweist erneut, dass es als kleines, unabhängiges Theater ein Garant für außergewöhnliche Produktionen ist. Unbedingt hingehen

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