1. Wiener Wohnbaumprogramm die Zukunft des Wohnens im Holzbau

13.07.2021
 1. Wiener Wohnbaumprogramm – Naturbanes Wohnen mit Holz  Copyright: C.Jobst/PID
1. Wiener Wohnbaumprogramm – Naturbanes Wohnen mit Holz Copyright: C.Jobst/PID

Naturbanes Wohnen: 1.000 leistbare Wohnungen in Holz- und Holzhybridbauweise werden zum Labor für den Wohnbau von morgen

Wien ist beim Klimaschutz seit vielen Jahren ein internationaler Vorreiter, besonders im geförderten Wohnbau haben klimaschonende Maßnahmen eine ganz zentrale Rolle. In diesem Zeichen wurde das 1. Wiener Wohnbaumprogramm entwickelt, das in insgesamt drei Phasen rund 1.000 Wohneinheiten in Holz- und Holzhybridbauweise in der laufenden Legislaturperiode auf den Weg bringt.

Den ersten Bauträgerwettbewerb dazu wickelt der wohnfonds_wien bereits heuer im Herbst ab. Auf 6 Standorten ‒ zwei im 21. und vier im 22. Bezirk ‒ sind jeweils zwischen fünf und 50 Wohneinheiten vorgesehen; die Liegenschaften befinden sich im Eigentum der Stadt Wien. Insgesamt sollen im ersten Schritt rund 155 geförderte Wohnungen geschaffen werden. Die weiteren Verfahren sind für 2022 und 2023 geplant.

"Wien steht heute vor der Aufgabe, auf Herausforderungen wie Klimawandel, Digitalisierung und Anstieg der Wohnbevölkerung bestmögliche Antworten zu finden. In diesem Sinn haben wir mit dem 1. Wiener Wohnbaumprogramm eine entsprechende Maßnahme entwickelt, die den Schwerpunkt auf das Thema Bauen und Wohnen im Einklang mit der Natur in der Stadt legt. Umweltbewusst und ökologisch, naturnah und trotzdem urban ‒ das sind alles Merkmale, die das 1. Wiener Wohnbaumprogramm auszeichnen. Als Ergebnis werden kleinteilige, zwei- bis viergeschossige Gebäude in Holz- und Holzhybridbauweise am Stadtrand entstehen. Damit leistet der geförderte Wohnbau in Wien einmal mehr Pionierarbeit und trägt maßgeblich dazu bei, Wien klima- und zukunftsfit zu machen", so Bürgermeister Michael Ludwig und Wohnbaustadträtin und Vizebürgermeisterin Kathrin Gaal.

Vorrangiges Ziel des neuen Programms: Stärkung der Klimaresilienz

Um zeitgerecht auf die begrenzten natürlichen Ressourcen unseres Planeten zu reagieren, sind wir gefordert, die Treibhausgasemissionen im Gebäude- und Infrastruktursektor zu reduzieren. Schwerpunktthema des 1. Wiener Wohnbaumprogramms ist daher die Realisierung neuer, geförderter Wohnhausanlagen mit hohen ökologischen Ansprüchen. Oberstes Ziel ist dabei die Stärkung der Klimaresilienz.

Konkret bedeutet das, dass Maßnahmen zur Begrünung, Kühlung, Beschattung und Durchlüftung des Quartiers angeboten werden - ein Maßnahmenmix, der einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung des städtischen Mikroklimas, aber auch gegen die sommerliche Überwärmung der Wohnungen leistet und Ausgangspunkt für Lerneffekte und Weiterentwicklungen in der Quartiersentwicklung ist. Denn nur lernfähige Städte am Puls unserer digitalen Zeit werden künftig schnell und richtig auf kommende Herausforderungen der Klimaveränderung reagieren können.

Schwerpunkt Holz

Holz ist ein heimischer, stetig nachwachsender natürlicher Rohstoff und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Österreich. Der Einsatz des Materials ist ressourcenschonend und trägt positiv zum Klimaschutz bei. Ein Kubikmeter Holz speichert eine Tonne CO2. Wer mit Holz baut, ersetzt energieintensive Materialien. Ein hoher, die Bauzeit verkürzender Vorfertigungsgrad, die trockene und geräuscharme Bauweise, die gute Qualität als thermischer Dämmstoff und nicht zuletzt das Schaffen eines guten Raumklimas sind alles große Vorteile, die für das Bauen mit Holz sprechen. Wichtig dabei ist, dass Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern mit entsprechender Zertifizierung zum Einsatz kommt.

"Im Rahmen des neuen Wohnbaumprogramms wird die Möglichkeit eröffnet, für den geförderten Wohnbau progressive Projekte in Holzbau mit höchster Energieeffizienz zu realisieren. Wir erwarten Beiträge, die über hohe Qualitäten in Bezug auf optimierte Planungs- und Baumethoden, Tragwerk ("reine" Holzlösungen und Hybridbauweisen), Digitalisierung und Vorfertigung verfügen. Alles Potenziale, die auch für zukünftige geförderte Bauvorhaben genutzt werden können", so die wohnfonds_wien-Geschäftsführung Gregor Puscher und Dieter Groschopf.

Richard Woschitz, Geschäftsführer der Woschitz Group und Mitglied des Grundstücksbeirats, ergänzt: "Im Sinne einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft werden die Anpassungsfähigkeit von Bauten bzw. die Recyclingfähigkeit von Baustoffen immer wichtiger. Daher liegen veränderbare und leicht rückbaubare Tragstrukturen aus Holz am Puls der Zeit und werden das Bauen der Zukunft mehr und mehr beherrschen."

Digitalisierung

Die Digitalisierung kann hier zunehmend unterstützend wirken. Einzelne Häuser und Quartiere sollen künftig mit ihrem digitalen Zwilling arbeiten und funktionieren. So können schon mittels Computersimulation bessere Konstruktionsentscheidungen in Bezug auf Ressourceneffizienz, Wiederverwendbarkeit oder Auswirkungen auf das Umgebungsklima getroffen werden. Das Ziel sind vollständig klimaneutrale und lebenswertere Stadtteile. Gemeinsam mit den bewährten Charakteristika des geförderten Wiener Wohnbaus - Leistbarkeit, höchste Ansprüche in puncto Qualität, Alltagstauglichkeit und Komfort - wird mit diesen innovativen ökologischen Akzenten eine zukunftsweisende Kombination verwirklicht, die auf die essentiellen Herausforderungen unserer Zeit reagiert.

Alternative Energieversorgung und Ankurbelung der Wirtschaft

Ein innovatives Energieversorgungskonzept sieht die Nutzung erneuerbarer Energiequellen vor, um eine Komfortkühlung der Wohneinheiten klimaneutral zu realisieren. Dieser innovative Schritt setzt Maßstäbe, um Behaglichkeit auch in Zeiten des Klimawandels einer breiten Bevölkerungsschicht anzubieten. Darüber hinaus sollen für die Planung und Vorfertigung der neuen Wohnhäuser neue Arbeitsplätze, die aufgrund der durch das Corona-Virus bedingten schwierigen wirtschaftlichen Situation dringend benötigt werden, geschaffen werden.

Standorte des ersten Bauträgerwettbewerbs:

  • 21., Leopoldauer Straße 132A: rund 1.000 m2, Bauklasse I, rund 10 Wohneinheiten
  • 21., Orasteig II: rund 3.200 m2, Bauklasse I, max. Bebauung 50 %, rund 30 Wohneinheiten
  • 22., Donaustadtstraße: rund 7.600 m2, Bauklasse I, max. Bebauung von 25 %, ermöglicht großteils Erhaltung des Baumbestands, rund 50 Wohneinheiten
  • 22., Aspernstraße: rund 2.900 m2, Bauklasse I, max. Bebauung von 40 %, rund 45 Wohneinheiten
  • 22., Naufahrtweg 16: rund 2.000 m2, Bauklasse I, rund 5 Wohneinheiten
  • 22., Steinspornweg 33: rund 9.500 m2, Bauklasse I, rund 15 Wohneinheiten

Klimabewusst ‒ "naturban" ‒ leistbar

Gemeinsam ist den Standorten die naturnahe Umgebung. Damit ermöglichen sie "naturbanes", gut leistbares Wohnen ‒ die Verbindung von gefördertem Wohnen im Grünen in der Stadt. Ein Bedürfnis, das sich bei vielen Wienerinnen und Wiener nicht zuletzt aufgrund der Corona-Pandemie manifestiert hat. Die ortsbezogene Bauweise fügt sich mit ihrer Kleinteiligkeit in das gewachsene Umfeld ein und bietet darüber hinaus einen Mehrwert für die umliegenden Grätzl. Die Konditionen für die neuen Wohnungen entsprechen jenen des geförderten Neubaus und reichen somit von "klassisch" gefördert bis besonders günstig und damit smart. Innovative und alternative Lösungen für die Energieversorgung haben dabei größte Priorität. Ein intelligentes Zusammenspiel aus Beschattung, Kühlung und Durchlüftung der Wohngebäude mit der richtigen Kombination und Auswahl der Materialien wirkt der sommerlichen Überhitzung sowie der Bildung von neuen Hitzeinseln entgegen.

 

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