Michelle Cotton wird neue künstlerische Leiterin der Kunsthalle Wien

14.04.2023
Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler mit Michelle Cotton, die neue künstlerische Leiterin der Kunsthalle Wien und Wolfgang Kuzmits, Geschäftsführer der Kunst Wien GmbH  © David Bohmann / PID
Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler mit Michelle Cotton, die neue künstlerische Leiterin der Kunsthalle Wien und Wolfgang Kuzmits, Geschäftsführer der Kunst Wien GmbH © David Bohmann / PID

Die lang erwartete Entscheidung ist da. Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler präsentierte heute, Freitag, die neue künstlerische Direktion der Kunsthalle Wien: Die britische Kuratorin und Kunsthistorikerin Michelle Cotton, seit 2019 Programmleiterin am MUDAM, dem nationalen Museum für zeitgenössische Kunst in Luxemburg, überzeugte in einem Feld hochkarätiger nationaler wie internationaler Bewerber*innen. Sie wird ab Sommer 2024 die künstlerische Leitung vom Kuratorinnenkollektiv WHW übernehmen.

"Es freut mich, mit Michelle Cotton eine international renommierte Kuratorin für die Kunsthalle Wien gewonnen zu haben. Mit ihrem bisherigen Wirken, ob am Bonner Kunstverein oder - wie aktuell - am MUDAM in Luxemburg hat sie Weitblick und Spürsinn bewiesen, und zwar sowohl für virulente gesellschaftspolitische Themen als auch für Künstler*innen, die mit großen Setzungen unsere Zeit im Spiegel der Kunst reflektieren", so Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler zur Entscheidung für die britische Ausstellungsmacherin. "Michelle Cottons Fokus liegt ganz klar auf kooperativem Handeln und Gestalten, auf dem Erschließen neuer künstlerischer Positionen sowie auf Gewinnen neuer Öffentlichkeiten. Diese Sensibilität hinsichtlich Inklusion, Zugänglichkeit und der integrativen Rolle von Kunst und Kultur in der Gesellschaft macht ihre Bewerbung so überzeugend. Es freut mich insbesondere, dass Cotton die kritische Auseinandersetzung der Kunsthalle mit hegemonialenKunstgeschichtsschreibungen fortführen wird. Ich danke der hochkarätigen, auch international besetzten Jury für die Bewältigung einer nicht einfachen Aufgabe und ihrer klaren Empfehlung, der ich gerne folge."

Begründung der Jury

"Michelle Cotton hat ein spannendes Konzept mit attraktiven und zeitgemäßen Ausstellungsvorschlägen präsentiert. Ihre Vorstellungen zur Positionierung der Kunsthalle innerhalb des Wiener künstlerischen Ökosystems, ihre Visionen, die zukünftige Bespielung der beiden Standorte, ihr Zugang zu Kooperationen, zum Team des Hauses und zur Vermittlung sowie das breite Netzwerk, das sie mitbringt, haben die Jury davon überzeugt, dass sie die richtigen Führungsqualitäten und die inhaltliche Kompetenz besitzt, um die Geschichte der Kunsthalle Wien weiterzuschreiben und zu gestalten. Die Jury empfiehlt Michelle Cotton, weil sie in ihr eine empathische Persönlichkeit sieht, die in der Lage ist, eine umfassende künstlerische Perspektive mit den gegenwärtigen Herausforderungen zu verknüpfen."

Statement Michelle Cotton

"Ich bin begeistert von der Chance, die Kunsthalle Wien in ihr nächstes Kapitel zu führen. Die Ereignisse der letzten Jahre haben bewirkt, dass Kunstinstitutionen überall auf der Welt einen Prozess der kritischen Selbstbefragung initiiert haben - die Kunsthalle Wien bildet da keine Ausnahme. Es ist also eine aufregende Zeit, um in der Kunst zu arbeiten und zugleich ein Privileg, eine Institution zu leiten, die eine Säule der zeitgenössischen Kultur in Wien ist, einer Stadt, in der für die Gesellschaft Kunst und Kultur eine zentrale Rolle spielt. Ich sehe die Herausforderung darin, die Kunsthalle für ein neues Publikum zu öffnen und dafür Sorge zu tragen, dass sie ein lebendiger Ort mit engagierter Community ist. Ich freue mich darauf, mich diesen Herausforderungen ab Juni 2024 als Direktorin zu widmen."

Zum Auswahlverfahren

Die Jury im Ausschreibungsverfahren bestand aus:

• Dirk Snauwaert, Künstlerischer Direktor, WIELS Centre for Contemporary Art, Brüssel, Jurysprecher
• Adam Budak, Künstlerischer Direktor, Kestner Gesellschaft, Hannover
• Ramesch Daha, Künstlerin und Präsidentin der Vereinigung bildender Künstler*innen Wiener Secession
• Katharina Egger, Referentin Film und Bildende Kunst, Büro der Kulturstadträtin
• Alexandra Grausam, Leiterin das weisse haus, Wien/ Aufsichtsrätin Stadt Wien Kunst GmbH
• Sonja Huber, Leiterin Referat Bildende Kunst und Neue Medien, Stadt Wien Kultur
• Hannah M. Lessing, Generalsekretärin Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus/ Aufsichtsratsvorsitzende Stadt Wien Kunst GmbH
• Gabriele Mackert, Sammlungsleiterin Kunst des 18.–21. Jh., Hessisches Landesmuseum Darmstadt
• Jasper Sharp, Direktor Phileas, The Austrian Office for Contemporary Art, Wien

Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler folgte der Empfehlung der Jury. Die Bestellung von Michelle Cotton als künstlerische Leitung der Kunsthalle Wien erfolgt für einen Zeitraum von fünf Jahren und beginnt mit 1. Juli 2024. Die derzeitige künstlerische Leitung der Kunsthalle Wien, Ivet Ćurlin, Nataša Ilić und Sabina Sabolović vom Kollektiv WHW, wird das Haus noch bis Sommer 2024 führen.

Die Resonanz auf die Ausschreibung war groß. 37 Bewerbungen für die Position der künstlerischen Leitung waren insgesamt bis zum Ende der Bewerbungsfrist eingegangen. Darunter waren zehn nationale und 27 internationale, vier stammten von Zweierteams. Der Frauenanteil bei den 33 Einzelbewerber*innen lag bei 45 %, der Anteil der Männer bei 55%; bei den Teambewerbungen war das Geschlechterverhältnis ex aequo.

Bereits im September 2022 war die künstlerische Leitung der Kunsthalle Wien ausgeschrieben worden. Die Jury gelangte nach den Hearings der Kandidat*innen und eingehenden Beratungen allerdings zur einstimmigen Auffassung, dass keines der eingereichten Konzepte hinreichend für eine weitere, zukünftige Periode der Kunsthalle überzeugen konnte und empfahl die Neuauschreibung.

Kurzbiografie Michelle Cotton

Die Kuratorin und Kunsthistorikerin Michelle Cotton (1977 in Preston, Nodwestengland, geboren) ist Programmleiterin des MUDAM, dem Museum für zeitgenössische Kunst in Luxemburg.

Cotton absolvierte ein Studium der Anglistik und Literatur am Londoner King's College in London und schloss anschließend ein Postgraduate-Studium der Kunstgeschichte am Courtauld Institute of Art in London ab. Ihre kuratorische Laufbahn startete sie in der Norwich Gallery, Norwich School of Art and Design. Als Programmverantwortliche war sie anschließend in den renommierten, von Künstler*innen geleiteten Organisationen S1 Artspace in Sheffield und Cubitt in London tätig. Als Chefkuratorin verantwortete sie von 2010 bis 2015 das Ausstellungsprogramm des Zentrums für zeitgenössische visuelle Kunst Firstsite in Colchester. Von dort wechselte sie als Direktorin an den Bonner Kunstverein, den sie von 2015 bis 2019 leitete, bis sie ihre derzeitige Position am MUDAM in Luxemburg antrat.

Michelle Cotton hat als Kuratorin mehr als 50 Ausstellungen realisiert, darunter etwa für das Beethoven-Jubiläum 2020 ein großes Projekt mit dem britischen Turner-Preisträger Jeremy Deller, das mit Schulen, Jugendgruppen und dem Beethoven-Orchester in Bonn kollaborierte. Ebenso kuratierte sie erste institutionelle Einzelausstellungen namhafter internationale Künstler*innen, die vorher in Institutionen in Großbrittanien bzw. Deutschland nicht zu sehen waren, darunter Michael Auder, Karla Black, Banu Cennetoğlu, Aleksandra Domanović, Simon Denny, Guan Xiao, Danh Vo oder Josh Smith. Zuletzt kuratierte die Ausstellungsmacherin für das MUDAM eine Schau mit Schlüsselwerken des Malers Peter Halleys aus den 1980er-Jahren (bis 15. Oktober) sowie die Ausstellung "Post-Capital: Kunst und Ökonomie im digitalen Zeitalter", die von der Kunsthal Charlottenborg, der Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen gezeigt wurde.

Kunsthalle Wien

Die Kunsthalle Wien ist das Ausstellungshaus der Stadt Wien für internationale Gegenwartskunst und Diskurs. An ihren Standorten im Museumsquartier sowie am Karlsplatz präsentiert sie Ausstellungen zeitgenössischer Kunst und kontextualisiert diese in ihrem gesellschaftspolitischen Umfeld. Die Kunsthalle Wien widmet sich der Kunst und ihrer Rolle in gesellschaftlichen Veränderungsprozessen. www.kunsthallewien.at

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